Wasserläufe
Der Nationalpark Triglav
umfasst die am höchsten gelegene Alpenzone Sloweniens, die in
verschiedenster Weise reich ist. Ein kostbares Element ist zweifelsohne
des Wasser. Die jährliche Niederschlagsmenge ist in der Tat groß, da
sie überall mehr als 1500 mm beträgt, im größten Teil der Fläche
2000 mm übersteigt und rund um die höchsten Gipfel sogar 3000 mm
erreicht. Macht man sich jedoch in das Hochgebirge auf, so trifft man
selten auf eine Quelle oder einen Bach. Die Oberfläche des
Nationalparks besteht fast gänzlich aus durchlässigem Kalkstein. Die
Niederschläge können sich nicht zu Wasserläufen sammeln, da sie der
Karstboden durch unzählige Spalten und Risse im Nu aufsaugt. Ein
Merkmal der fließenden Gewässer des kalkhaltigen Reliefs ist
unaufhörliches Versickern und erneutes Entspringen. Nur Abschnitte
weniger durchlässigen Gesteins sind reicher an Quellen. Die Entstehung
mancher Alm stand gerade mit einer Quelle im Zusammenhang.
Die netzartig verbundenen Wasseradern entstehen im
unterirdischen Karstboden, verborgen vor unseren Augen. Die
unterirdischen Wasserläufe treten in den Alpentälern, am Fuß hoher
Berge, in zahlreichen, häufig ausgiebigen Karstquellen zu Tage.
Quellen
Beinahe alle fließenden Gewässer des Nationalparks haben hier auch ihr
Quellgebiet. Die Karstquelle der Soja im Tal Zadnja Trenta gehört zu
den schönsten der Julischen Alpen. Das Wasser quillt aus einem Schacht
und stürzt in einem Wasserfall zu Tal. Wenn die Quelle bei Dürre aus
einem Felssturz entspringt, kann man den Eingang in den Schacht in einer
Höhe von etwa 1000 Meter sehen. Der Lauf der Soca, des wichtigsten
Gewässers im Westteil des Nationalparks, ist aufgrund des großen
Gefälles sehr lebhaft; die Wassermenge ist großen Schwankungen
unterworfen. Das Wasser zeichnet sich durch eine außergewöhnliche
milchig-smaragdgrüne Farbe aus. Die Soca schnitt in einem relativ
kurzen geologischen Zeitraum in die felsigen Barrieren ein und bildete
Auskalkungen und Schluchten aus, die gerade im Socatal am zahlreichsten
und charakteristischsten in Slowenien sind.
Die Save Dolinka fließt an manchen Stellen
deckungsgleich mit der nördlichen Begrenzung des Nationalparks,
größtenteils aber fast parallel dazu. Zwischen Ratece und Podkoren
werden ihre zahlreichen Quellen von einem ausgedehnten Flachmoor
gespeist, das nach der typisch grünen Farbe der kleinen Seen mit
Zelenci benannt wurde.
Die unterirdisch fließenden Gewässer des
Sieben-Seen-Tals (Dolina triglavskih jezer) treten aus einer Höhle in
der Komarca-Wand zu Tage. Die Savica-Karstquelle mündet bald in einen
Wasserfall, der an einer ausgeprägten Verwerfung liegt. Das Wasser
gleitet zunächst über eine 38 Meter hohe Schräge und stürzt dann 51
Meter in die Tiefe. Der Savica-Wasserfall besteht aus zwei Strängen in
der Form eines A, da neben dem großen noch ein kleinerer Strahl in
denselben Kolk spritzt. Im Westen des Bohinjer Beckens entsteht so,
obwohl noch unter dem Namen Savica, die Save Bohinjka (Wocheiner Save).
Diese verlässt nach einer kurzen Strecke vom Bohinj-See gegen Osten den
Nationalpark, verläuft jedoch ähnlich wie die Save Dolinka entlang
seiner Begrenzung.
Die hydrologische Grenze zwischen dem Quellgebiet der
Soca und den beiden Quellflüssen der Save gibt die Wasserscheide
zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer vor.
Es darf nicht vergessen werden, dass die fließenden
Gewässer einer der wichtigsten Mitgestalter der Erdoberfläche und des
Untergrunds sind. Sie schnitten Täler, Schluchten, Klammen und Tobel
ein, lagerten wieder anderswo Material ab und schufen nicht zuletzt
riesige Höhlensysteme.
Die meisten Wasserläufe verändern übers Jahr häufig
ihr Aussehen. Die Flussbette sind wasserreich im Herbst bei
Niederschlägen und im Frühling, wenn die Sonne langsam an Kraft
gewinnt und den Schnee im Hochgebirge schmilzt. Die Winter- und
Sommermonate sind gewöhnlich wasserärmer. Am heftigsten reagieren auf
die Niederschläge Wildbäche, da sich aus trockenen Bachbetten allzu
rasch reißende Wasserläufe entwickeln können.
Wasserfälle
Obwohl die Wasserfälle für den Schluss geblieben sind, bilden sie für
viele den Höhepunkt dieses so kostbaren Elements. Manche sind von ihrer
gewaltigen Ergiebigkeit oder Höhe, andere wiederum deshalb beeindruckt,
dass es sie aufgrund des schwierigen Zugangs in fast nie besuchten
Schluchten einfach gibt. Ihre Zahl variiert noch trotz vieler
Statistiken, da Forscher und Naturfreunde immer neue entdecken.
Im Nationalpark Triglav gibt es zahlreiche Wasserfälle. Obwohl sich
darunter weder der höchste noch der mächtigste Wasserfall Sloweniens
befindet, wurden viele zu attraktiven Ausflugszielen (z.B. Savica,
Pericnik, Spodnji Martuljek, Šum in der Vintgar-Klamm, Nadiža-Kaskade).
Weniger bekannt und besucht, dafür aber vielleicht noch reizvoller,
sind die Wasserfälle der Loška Koritnica und ihrer Zuflüsse, manche
verwandeln sich in frostigeren Wintern in eisige Kristalle (z.B.
Pericnik-Wasserfall). An der Eissäule der Mokra pec oder des Lucifer
erproben Alpinisten ihre Fähigkeiten. Etwas Besonderes unter den
Wasserfällen ist Govic, der nur ausnahmsweise bewundert werden kann:
Aus einer schrägen Höhle, die sich im Berghang des Pršivec, einige 10
Meter oberhalb des Bohinj-Sees, öffnet, stürzt nur nach starken
Regenfällen oder bei der Schneeschmelze periodisch ein 20 Meter hoher,
mächtiger Wasserfall zu Tal und ergießt sich nach kürzerem Lauf in
den See.
In der kurzen horizontalen Höhle unter der Teufelsbrücke (Jama pod
Hudicevim mostom) an der Tolminka liegt eine Thermalquelle mit einer
Wassertemperatur zwischen 18.8 und 20,8 Grad. Sie hängt mit
Verwerfungen zusammen. An diesen versickert das Oberflächenwasser in
den Untergrund, erwärmt sich dort und kehrt als Therme an die
Oberfläche zurück. Sie ist nur in der winterlichen Trockenheit zu
sehen, und das nur mit Kletterausrüstung. Die Therme stellt für den
Alpenraum eine große Seltenheit dar, in Slowenien gibt es nur zwei
derartige Höhlen. Bei der knappen Darstellung des Wasserreichtums im
Nationalpark Triglav konnten der größte slowenische See in Bohinj, die
hochalpinen Juwelen des Sieben-Seen-Tals, die Krn- und die Križ-Seen,
die Moore in der Depression der Hochebene Pokljuka und auch die
hydrologischen Phänomene wie beispielsweise die ständigen Schneefelder
und der Triglav-Gletscher nicht behandelt werden. Dieses eher
"stehende" hydrologische Erbe wird in einer eigenen
Publikation präsentiert.
Unterirdische Wasserläufe
Stellenweise wurden Untersuchungen der unterirdischen Wasserläufe
durchgeführt, die man durch Färbung des Wassers zu verfolgen suchte.
Mancherorts wurde festgestellt, dass die ober- und unterirdische
Wasserscheide nicht übereinstimmen. Viele unterirdsche Wasserläufe
geben noch immer ein Rätsel auf. Eine der ersten Farbversuche der Alpen
fand im Triglav-Schacht statt und bestätigte die Verbindung mit der
Quelle der Triglavska Bistrica im Vratatal. 1975 wurde auch das Wasser
im Jezero pod Vršacem, im ersten See des Sieben-Seen-Tals (Dolina
Triglavskih jezer), gefärbt, das in einer Höhle oberhalb des
Zadnjica-Tals zum Vorschein kam.
Informationen
Verwaltung des Nationalparks Triglav
Kidriceva cesta 2, SI-4260 Bled, Slowenien
Tel. +386 (0) 4 578 02 00, Fax +386 (0) 4 578 02 01
e-mail: triglavski-narodni-park@tnp.gov.si
www.tnp.si
Besucherzentrum des Nationalparks Triglav
"DOM TRENTA" (Trenta-Haus),
Na Logu
SI-5232 Soca, Slowenien
Tel./Fax +386 (0) 5 388 93 30, täglich geöffnet 10-18 Uhr
Triglav-Museum
und Informationsstelle:
Triglavska cesta 50, SI-4281 Mojstrana, Slowenien
Tel. +386 (0) 4 589 10 35
Herausgeber: Nationalpark Triglav. Redaktion: Tea Lukan
Klavžer. Verleger:Nationalpark Triglav. Text: Tea Lukan Klavžer.
Fotos: Matevž Lenarcic, Janko Humar. Druck: CukGraf. 2003
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