Europäisches Jugendparlament

"It's hard to describe but easy to live"
Teilnahme am EYP vom 28.5.-31.5.2008

EYP oder zu deutsch Europäisches Jugendparlament-eine richtige Vorstellung, was sich hinter diesem Namen verbirgt, hatten wir, der Abibac-Kurs der MSS 11 anfangs nicht. Und so stürzten wir uns regelrecht ins kalte Wasser und bewarben uns mit einer Resolution auf Französisch zum Thema Terrorbekämpfung in Europa beim Wettbewerb zum Auswahlverfahren des Deutschen Europäischen Jugendparlaments.
Dementsprechend überrascht waren wir, als bekannt wurde, dass unsere Resolution unter achtzig anderen ausgewählt wurde und wir eingeladen waren, mit elf weiteren Schulen an der Nationalen Auswahlsitzung in Frankfurt teilzunehmen. Zuvor mussten wir eine weitere Resolution zu der Fragestellung: "Nouveaux états membres, nouvelles nations Schengen, nouveaux pays voisins - comment l'UE peut-elle protéger ses frontières extérieures sans devenir une forteresse close pour les nations avoisinantes?" verfassen, was ganz schön viel Arbeit war. Unserer Meinung nach hatten wir auch sehr viel Zeit investiert, in Frankfurt allerdings merkten wir schnell, dass andere Schulen dreimal so lange daran gearbeitet hatten und immer noch nicht vollkommen zufrieden waren.
Aber es wartete noch mehr Arbeit auf uns. Je näher die Auswahlsitzung in Frankfurt rückte, desto mehr Informationen und genauso viele zu erledigende Dinge bekamen wir fast täglich per Mail geschickt. Die Spannung, was uns erwarten wird, stieg immer weiter. Der eine und der andere machte sich seine Gedanken über den Umstand, mit wildfremden Leuten in einem Zimmer zu sein. Wie werden die Leute dort sein? So wie wir, oder etwa total motiviert und egoistisch, denn immerhin war es ja ein Wettbewerb, und nur die zwei besten Schulen werden die Möglichkeit haben, an der Internationalen Auswahlsitzung in Rennes bzw. in Stockholm teilzunehmen.
Mit nur zwei Stunden Histoire in der Woche und einem zusätzlichen Treffen nachmittags war unsere Vorbereitungszeit extrem knapp. Also erledigten wir nur das Allernötigste, wir lasen die anderen Resolutionen (um uns auf die "General Assembly" vorzubereiten, aber dazu später mehr) und arbeiteten uns in die Themen für die "Commitee Work" ein, so richtig aber auch erst auf der Hinfahrt im Zug. Alles in allem sahen wir das Ganze aber recht locker, ganz nach dem Motto "Dabei sein ist alles". Etwas anders dachte da Frau Schnaithmann. Sie hatte (anscheinend) gleich durchschaut, wie viel die anderen Schulen im Vorfeld gearbeitet hatten, nämlich bedeutend mehr, und hat uns immer wieder motiviert und unterstützt (Dankeschön an dieser Stelle, Frau Schnaithmann, für die notwendigen kleinen Tritte in den Hintern :)).
Und so fuhren wir Mittwochmorgens mit dem Zug nach Frankfurt. Mittwochnachmittags wurden wir in Gruppen aufgeteilt und lernten die Leute kennen, die für die nächsten Tage unser Commitee sein sollten. Auf der Mainwiese starteten wir dann unser Teambuilding. Das was man beim Teambuilding erlebt, ist schwer zu beschreiben. Für jemand Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar, das etwas, das so kindisch und verrückt aussieht, so unglaublich viel Spaß macht. Im Prinzip versucht man durch Spiele aller Art, wie Sing- und Tanzspiele, Geschicklichkeitsspiele, Vertrauensspiele usw., wie der Name schon sagt, ein Team zu bilden. Zu erfahren, was es heißt, mit völlig fremden Menschen eine Gruppe zu bilden und ein unheimlich starkes Gemeinschaftsgefühl zu erleben, das war eine der tollsten Erfahrungen, die ich persönlich in Frankfurt gemacht habe. Abends fand das Regio-Village statt. Dazu hatte jede Delegation Speisen und Getränke aus ihrer Region mitgebracht und bot diese an einem Stand für alle an.



Am nächsten Morgen begannen wir um acht- nach einer kurzen Nacht noch müde- wie eigentlich jeden morgen, wieder mit dem Teambuilding. Dieses Mal machte es noch mehr Spaß, weil man die Leute und einige Spiele schon kannte und der sagenumwobene "Teamspirit" noch stärker war. Mittags war dann Schluss mit lustig, na ja fast: wir begannen mit der Commitee Work, bei der dann auch die Jury anwesend war, die uns abschließend bewerten sollte. Vorgegeben war ein Thema, in meinem Committe war es das Problem des großen Einflusses der Lobbyisten, über das wir diskutieren und am Ende ein Thesenpapier erstellen sollten. In meinem Commitee war eine, wie auch unser Chair (=Betreuer) ständig betonte, unglaubliche Harmonie. Jeder respektierte die Meinung des anderen, ließ ihn ausreden. Insgesamt war unsere Gruppe sehr produktiv und nach vielen Stunden Diskussion hatten wir auch handfeste Lösungsansätze herausgearbeitet. Was die ganze Sache ein wenig erschwerte war die Tatsache, dass wir während der gesamten Diskussion, wie übrigens auch während des Teambuildings, nur auf Englisch kommunizieren durften. Bei den Sprachkenntnissen gab es große Unterschiede, manche Schulen, die englisches Abitur machen und Leute, die ein Jahr in Amerika oder England verbracht hatten, hatten entsprechend bessere Englischkenntnisse als unsere Abibac-Delegation. Trotzdem haben wir uns tapfer geschlagen, größere Verständnisprobleme gab es nicht. Am Donnerstagabend war wie bereits am Mittwoch wieder Party angesagt. Wir gingen ins Dachcafé, das in einem Einkaufszentrum hoch über den Dächern Frankfurts liegt. Hier hatte man einen einmaligen Blick über die ganze Stadt. Die ersten waren um zwölf auch schon müde und gingen ins Bett, schließlich war es ein langer Tag. Unsere partyerprobte Delegation aber hielt bis zum Ende durch :).
Dementsprechend kaputt waren dann alle bei der Commitee Work am nächsten Morgen. Doch als diese überstanden war, hatten wir Freizeitprogramm in Frankfurt. Das Angebot reichte von Stadtführung über Bootsfahrt bis hin zur Besichtigung des Commerzbanktowers. Abends war ausnahmsweise keine Party, hier war vorgesehen, dass jede Schuldelegation Zeit hat, sich auf die "General Assembly" am nächsten Tag vorzubereiten. Die Gelegenheit nutzten wir und schrieben unsere "Attack speeches" und unsere "Defense Speech" bis spät in die Nacht hinein.

Am nächsten Morgen machten wir uns alle todschick gekleidet (formelle Kleidung war Pflicht) auf den Weg in den Römer, das Frankfurter Rathaus, wo die General Assembly, kurz GA, stattfand. Hier sollten wir alle Resolutionen in zwei Tagen diskutieren, wobei der Ablauf der Diskussion strengen und anfangs auch komplizierten parlamentarischen Regeln folgte. Zum Beispiel musste man bei Redewunsch immer zuerst eines der vielen Schilder, die jede Delegation bekam hochhalten um so der Sitzungspräsidentin zu signalisieren, dass man etwas zur Diskussion beitragen wollte. Alles in allem war die GA sehr interessant aber auch anstrengend, weil man sehr genau hinhören musste, was der einzelne gesagt hatte und seine eigene Resolution ausreichend verteidigen musste. Hinzu kam außerdem, dass die offiziellen Sitzungssprachen zwar Französisch und Englisch waren, unsere Delegation aber eine von wenigen war, die ihre Beiträge auf Französisch hielt. Trotzdem haben wir uns auch hier gut geschlagen, zumal Julia Bingler als eine von 4 Einzeldelegierten ausgewählt wurde, an der Internationalen Sitzung in Rennes im Oktober 2008 teilzunehmen. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!

Zum Schluss bleibt mir nur noch eines zu sagen: EYP war eine außergewöhnliche Erfahrungen, ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden und auch eine einzigartige Chance, seinen Horizont zu erweitern. Und ich kann jedem, der sich auch nur ein bisschen für Politik interessiert, gerne diskutiert und halbwegs gute Englisch- und Französischkenntnisse hat, nur empfehlen, an diesem besonderen Wettbewerb teilzunehmen. Was wir in Frankfurt erlebt haben, lässt sich mit nur einem Satz, den ich dort so oft gehört, aber erst im Nachhinein verstanden habe, auf den Punkt bringen: "It's hard to describe but easy to live".

Wir bedanken uns beim Verein der Freunde e.V. für die großzügige Unterstützung!!!

C.Glaser/bfg 08/2008