Die Bauernkriege in der Südpfalz
und im nördlichen Elsaß

Die Anfänge

Die Auslöser für die Bauernaufstände waren zum einen die Reformation, zum anderen aber die soziale Not und die Unterdrückung von der Oberschicht. Die ersten Aufstände fanden in der Landgrafschaft Stühlingen (Schwarzwald) statt von dort verbreitete sich die Wut der Bauern auf ganz Süddeutschland und Oberösterreich aus. In der Pfalz konnte man die Bauern noch mit Reden gegen Gewalt beruhigen. Die meisten Bauern schlossen sich der evangelischen Bewegung an, die seitens der Reformation entstanden war. Viele Geistliche, die sich ebenfalls der Bewegung angeschlossen hatten, appellierten auf friedliche Einigungen mit der Oberschicht. Die evangelische Kirche unterstütze die Bauern in ihrem Feldzug. Nicolaus Thomae, der protestantische Pfarrer von Bad Bergzabern, meinte, dass sich die Menschen vollkommen verändern sollten, damit eine Einigung vollbracht werden könnte. Doch die Bauern waren mehr und mehr der Meinung, dass nur eine Revolution alles ändern würde.

Um eine friedliche Lösung des Chaos zu erzielen, musste die Oberschicht auf folgende Forderungen der Bauern eingehen: Freie Wahl der Pfarrer zur freien Verkündung des Evangeliums; Aufhebung der Leibeigenschaft; freies Jagen und Fischen; Ermäßigung der Steuern; Einschränkung der Frondienste; Wegfall der Abgaben beiTodesfällen; freies Holzrecht; Strafen ohne Willkür nach altem Recht. Als diese nicht auf die Forderungen eingingen, griffen die Bauern zum ersten mal 1525 zur Gewalt. Trotz wiederholter Predigten der Geistlichen, konnte die nun aufgebrachte Welle der Gewalt nicht mehr gestoppt werden. Die Bauern trafen in diesem verbittertem Kampf auf vollen Wiederstand der Fürsten und wurden in zahlreichen Schlachten vernichtend geschlagen. Die Fürsten führten nun einen Rachefeldzug und verhängten Geldstrafen oder richteten Bauern hin. Dieser Rachefeldzug ging bis Weißenburg.

Parallel zu den Baueraufständen, enstanden in den Reichststädten Speyer, Weißenburg und Worms Bürgeraufstände, die an die Kirche appellierten, sich gegen diesen blutigen Kampf, der für die Bauern unsiegbar erschien, zu stellen und ihre Pflicht als Beschützer der Menschen warzunehmen. Doch die letzten Bauernkrieger wurden von den vereinigten fürstlichen Heeren erfolgreich geschlagen. Diese Niederlage warf die Bauern auf ihre Ausgangsposition zurück und ließ sie die Oberschicht noch mehr verachten. Der Bauer blieb also 1525 wie Jahrhunderte zuvor Untertan.

Das nördliche Elsaß

In Weißenburg war zu dieser Zeit die Situation sehr aufgeheizt, was auch die Schuld des egoistischen und herrschsüchtigen, Rüdiger Fischer war, der seit 1500 Abt in Weißenburg war. Die Menschen verachteten ihn und hatten sehr unter ihm zu leiden. Als die Situation unerträglich wurde, schlossen sich die unterdrückte Bauernvölker aus dem Wasgau, aus dem Westrich, aus der Gegend um Weißenburg selbst, von Riedseltz und Schweighofen zusammen. Miteinander bildeten Sie den sogenannten "Kleeburger Haufen", benannt nach dem nordelsässischen Ort Kleeburg bei Weißenburg. Diese Bauern kooperierten mit dem "Westricher- und Merbischen Haufen". Zusammen, eine Einheit bildend, wollte man ein "christlicher Kolben" sein. Am 20. April 1525 zogen die vereinigten Bauernvölker in das Kloster Neuenburg, um dort die "Neuenburger Artikel" zu verfassen. Worum es ging, ist mit einfachen Worten gesagt: Niemand wollte mehr einen regierenden Herren über sich stehen haben.

Die Südpfalz

Als der Aufstand auch in Nußdorf bei Landau ausbrach, zogen die wütenden, mordenden Bauern u. a. nach Klingenmünster und Umgebung, was bewirkte, dass sich auch die Bürgerschaft von Annweiler anschloß. Johann Schwebel, der Zweibrücker Reformator, jedoch warnte. Er rief zur Selbstüberprüfung auf, doch bewirkte dies nicht viel. Zweibrücken selbst blieb von diesem Aufstand verschont. In Bad Bergzabern versuchte Nicolaus Thomae nun Ruhe zu erringen und forderte die Gewaltlosigkeit. Lang hielt das alles nicht an, da einige "Eigenbrödler" wieder Unruhe stifteten. Zur Folge hatte das, dass der Wasgauer Kolbenhaufen Bad Bergzabern belagerte, plünderte und die ganze Vorstadt niederbrannte. Der Grund für dieses unnötige Verhalten war wie so oft der Ruf nach Freiheit.

Johannes Rebmann, Pfarrer von Kleeburg, war zu einem geistigen Führer der Bauernerhebung geworden, was er mit seinem Spruch "So euch der Sohn nu frey macht, so seid ihr recht frey (Joh. 8, 36)." u. a. erreicht hatte. In Bad Bergzabern wurde unter den Anhängern des Aufstandes folgender Gruß gesprochen: "Was ist nu für ein Wesen?" Der Gegengruß lautete: "Wir mögen von dem Pfaffen nicht genesen." Gemeinsam sprach man dann: "Wir wollen frey sein wie die Schweizer." Die Gegner der Bauernbefreiung als auch die Feinde der evangelischen Bewegung konterten und spotteten: "Solches kommt heraus, wenn der gemeine Mann das Evangelium besitzt."

Die Niederschlagung des Aufstandes

Kurfürst Ludwig V. von Heidelberg wandte sich darauf am 18. Mai 1525 an Philipp Melanchthon mit der Bitte um Stellungnahme zu den "Zwölf Artikeln aller Bauernschaft". Dieser riet zur friedlichen Beilegung des Konflikts. Doch wer würde dies befolgen? Ludwig V. nahm mit Genugtuung Melanchthons einseitige Definition von Freiheit zur Kenntnis und sah sich in seinem Handeln, die Aufständer zu bestrafen, bestätigt. Er brach bereits am 23. Mai zur Bestrafung der Rebellen auf, mit der Unterstützung vom Trierer Erzbischof Richard von Greifenklau sowie der Philipps von Hessen. Nach einigen Einzelaktionen wurden die Bauern am 25./26. Juni 1525 erfolgreich bei Pfeddersheim geschlagen. Schon am 28. April war das verhaßte Kloster in Weißenburg von den aufständischen Bauern geplündert und belagert worden. Daraufhin trat ihnen Nicolaus Thomae mutig entgegen, worauf die Bauern das Feld räumten, was ihnen mildere Strafen brachte.

In Weißenburg wurden am 10. Juli Teile des Stifts verbrannt. Am 8. Juli 1525 war die Streitmacht der Fürsten erschienen. Am 12. Juli wurde ein zuvor ausgehandelter Vertrag in Geltung gesetzt. Er garantierte den Bauern: Freiheit für die Predigt des Evangeliums, freie Wahl der Pfarrer und Räte, Aufhebung des Zölibats, Heirat der Pfarrer, Gleichstellung der Pfarrer in Steuerangelegenheiten. Ganz schrecklich jedoch war die Bestrafung der Weißenburger: Hans Merkel, Kaplan an St. Johannis und "Prediger des reinen Evangeliums" wurde wie die Bürger Peter Henel un Jörg Vock enthauptet, und viele andere mit ihnen. Die Weißenburger Artikel wurden annulliert. Andere Bauern, z.B. von Pleisweiler-Oberhofen, die verantwortlich waren für die Zerstörung des Stifts in Klingenmünster, mussten "nur" eine Geldstrafe erdulden.

Nicolaus Thomae bedauerte das Verhalten der Kurpfälzer und auch das des Fürsten von Zweibrücken, der nichts unternahm und einfach nur zuschaute bei dieser Unterdrückung. Die Bauern waren von Gott enttäuscht: Wie konnte der Herr der Schöpfung nur so etwas zulassen? Auch die Reformation hatte unter diesen Umständen zu leiden. Luther, der den Aufstand theologisch bekämpfte, war zum Feind der Bauern geworden. Entsetzen löste in der Bergzaberner Gemeinde die Rückkehr ihres ehemaligen Pfarrers, Johannes Rebmann, im Jahre 1528 aus. Er war eine führenden Personen in der Bewegung gewesen. Graf Rheinhard von Sulz hatte ihn deswegen nach der Niederschlagung des Aufstandes festgenommen und in Waldshut einkerkern lassen, wo er grausam gequält wurde. Darauf wurde er verjagt mit "ausgerissenen Augen". Die Gemeinde Bad Bergzabern nahm ihn daraufhin auf. Jedoch lebte er nicht mehr lange, so wird berichtet.

 

 



Weitere Links zum Thema