Die Höhere Schule der Stadt Bad Bergzabern

von 1525 - 2010

 
von Günther Volz
 
 

umschlagbuchvolz

 

 

Inhalt:

 

Geleitwort von Klaus Hörner (s.u.)
Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von 1514 bis 1679
Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zwischen Frankreich und Schweden
Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von 1719 bis 1793
Die Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons
Unter der bayerischen Krone von 1816 bis 1918
In der Zeit der Weimarer Republik
Unter der nationalsozialistischen Diktatur
Die Neueste Zeit
Aus der Chronik des Gymnasiums von 1980 bis 2010
Die Leiter der höheren Schule von 1836 bis 2010
Quellen und Literatur
Anmerkungen

 


 

Geleitwort von Klaus Hörner

 

Günther Volz hat eine Geschichte des Gymnasiums Bergzabern vorgelegt. Wer sich der Schule verbunden fühlt, wer sich für die Geschichte der Region und wer sich für Schulgeschichte interessiert, wird die Schrift mit Gewinn lesen.
Der Verfasser entwirft die Geschichte der Schule aufgrund beachtlicher Detailkenntnis, die er sich durch gründliches Aktenstudium erworben hat. Das setzt gründliches Suchen in Archiven und mühseliges Auswerten der Dokumente voraus. Nur wer darin selbst Erfahrung hat, kann beurteilen, welch harte Arbeit das bedeutet. Auf dem Hintergrund der Regionalgeschichte und der deutschen Geschichte breitet er die Fakten so vor uns aus, dass die Abschnitte in der Geschichte der Schule mit ihren kennzeichnenden Merkmalen anschaulich werden. Es ist eine klare und objektive Darstellung, bei der die innere Verbundenheit des Verfassers mit der Schule, an der er viele Jahre unterrichtete, spürbar ist. Dass gelegentlich seine persönliche Einstellung gegenüber historischen Akteuren durchbricht, macht den Text lebendig. Den Bergzaberner Anhängern der liberalen Ideen, welche die Französische Revolution gebracht hat, gehört seine Sympathie. Der Widerwille gegen die Auswirkungen, welche die nationalsozialistische Ideologie auf die deutschen Schulen hatte, lässt ihn fast leidenschaftlich und ungewöhnlich ausführlich werden.
Die Darstellung öffnet uns die Augen für die Geschichte der Schule auf ihrem breiteren historischen Hintergrund und in der schulgeschichtlichen Umgebung. Möglicherweise wird unser Blick auf das Bergzaberner Gymnasium von heute dadurch beeinflusst, selbst wenn uns das gar nicht zu Bewusstsein kommen sollte.
Die Darstellung macht deutlich, dass das Schicksal dieses Gymnasiums im ersten Abschnitt seiner Geschichte, vom 16. bis zum 18.Jahrhundert, auf dem Hintergrund des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken gesehen werden muss. Im ehemaligen Kloster Hornbach, nahe der Stadt Zweibrücken, befand sich das eigentliche Gymnasium des Herzogtums. In Bergzabern, das zu Pfalz-Zweibrücken gehörte, war nur eine Lateinschule, welche die Schüler in der Regel vier Jahre lang auf den Besuch des Gymnasiums in Hornbach vorbereitete. Während dreier Jahrhunderte ist also die Geschichte der Lateinschule in Bergzabern Teil der Schulgeschichte des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Es ist ein kleines, zerklüftetes, politisch bescheidenes Fürstentum am Rande Deutschlands. Seine Schulen lassen sich natürlich nicht mit denen in Preußen, Bayern oder auch in anderen kleinen, zentral gelegenen Fürstentümern, etwa in Thüringen, vergleichen. Aber im Wesentlichen hielten sie Schritt mit der Schulentwicklung in deutschen Landen.
Im Rahmen der Schulgeschichte des Herzogtums nimmt die Lateinschule in Bergzabern einen besonderen Platz ein. Das muss auf dem Hintergrund der Geschichte Bergzaberns gesehen werden. Die Region Bergzabern/Weißenburg war ein bevorzugter Austragungsort der zunächst dynastischen, dann nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland eine Gegend gibt, die in gleichem Maße zum Schauplatz von Kriegen wurde. Und wenn auch nicht jeder Krieg mit Zerstörungen in Bergzabern verbunden war, Kriege beeinträchtigen immer das Leben in einer Region.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 -1648) wurde die Region Schauplatz zunächst der Kriege, welche Ludwig XIV. führte, von 1672 bis 1713. Nach Ludwig XIV. folgte der Österreichische Erbfolgekrieg von1740 - 1748. Dann kamen die Revolutionskriege und Napoleon und die Zeit, als das linke Rheinufer französisch wurde. Man muss sich überhaupt wundern, dass sich in diesen turbulenten Zeiten in Bergzabern eine Lateinschule halten konnte, mit Unterbrechungen zwar und zeitweise unter ganz üblen Bedingungen.
Ein Rückblick auf den ersten Abschnitt der Geschichte der Lateinschule in Bergzabern zeigt, dass eine kontinuierliche Entwicklung der Schule und ein dauerhaft fruchtbarer Unterrichtsbetrieb kaum möglich waren. Wenn aber - und das ist der nachhaltigste Eindruck -während der genannten Zeit allen Schwierigkeiten zum Trotz in Bergzabern sich eine Lateinschule halten konnte, so ist es vor allem das Verdienst der Bürger der Stadt, die sich immer wieder an die Obrigkeit in Zweibrücken wandten und um Erhalt der Schule oder um Zuweisung eines Lehrers nachsuchten, die auch bereit waren, ihren eigenen Beitrag zu leisten und die selbst initiativ wurden.
Von 1816 bis 1918 erstreckt sich der zweite Abschnitt in der Geschichte des Gymnasiums Bergzabern. Eigentlich hätte ich von den Bayern, die nach Napoleons Niederlage die Herrschaft in der linksrheinischen Pfalz, im "Rheinkreis", erhielten, mehr erwartet. Das 19.Jahrhundert ist ja eine ganz bedeutende Epoche in der deutschen Schulgeschichte. Preußen, Bayern und eine Reihe kleinerer Fürstentümer bauten eine Schulverwaltung und ein Schulsystem auf. Das traditionelle klassische Gymnasium, das für den öffentlichen Dienst die leitenden Beamten und für die freien Berufe - Ärzte, Advokaten - den Nachwuchs vorbereiten sollte, blieb die angesehenste Schule. Daneben aber entwickelten sich neue moderne Schulen, die den Personalbedürfnissen im Handel, in Wirtschaft, Technik und Industrie, denen ja die Zukunft gehören würde, Rechnung tragen sollten. Und einige dieser neuen Schulen erreichten am Ende des Jahrhunderts sogar, dass ihre Absolventen studieren durften.
Von diesem neuen Geist ist im Schulwesen der Region von Bergzabern kaum etwas zu spüren. Der Leser der Ausführungen von Günther Volz kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Bergzabern von der bayrischen Verwaltung vernachlässigt wurde. Vielleicht schaute die bayrische Obrigkeit voll Misstrauen in die Südpfalz, wo die neuen Ideen, die nach der Revolution aus Frankreich gekommen waren, Anhänger gefunden hatten. Vielleicht lag es aber auch an den Bergzabernern, die keinen Nachdruck entwickelten. Jedenfalls dauerte es bis zum Jahre 1829, bis wieder eine Lateinschule eingerichtet wurde. Sie umfasste zwei Jahrgangstufen und hielt sich nur zwei Jahre. 1836 kam es dann zu einer vierjährigen Lateinschule, die 1894 auf Antrag des Stadtrats in ein Progymnasium mit sechs Jahrgangstufen umgewandelt wurde. Während der ganzen Jahrzehnte scheint es eine Konstante gewesen zu sein, dass der Leistungsstand der Schule unbefriedigend war. Er war schlechter als an anderen Lateinschulen der Pfalz, wie ein Subrektor der Schule klagte. Und das Progymnasium galt im Hinblick auf seine Forderungen als "Erholungsschule". 1908 wurde die Schule zur fünfklassigen Lateinschule zurückgefahren.
Die Epoche vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bildet gewissermaßen den dritten Abschnitt in der Geschichte des Gymnasiums Bergzabern. Es ist eine politisch sehr bewegte Zeit, die auch die Schulen voll ergreift. Die Ideologie durchdringt und prägt Unterricht und Erziehung. Günther Volz schildert das ausführlich und mit spürbarer innerer Beteiligung. Die Schule in Bergzabern wird jetzt zur Oberschule mit sechs Jahrgangsstufen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt der glücklichste Abschnitt in der Geschichte der Schule. Nach einer gewissen Anlaufphase bemüht sich das neugeschaffene Land Rheinland-Pfalz sichtbar um die südpfälzische Grenzregion. Die Schule in Bergzabern bleibt zunächst Progymnasium, wird dann aber ab 1964 zu einem Gymnasium mit Oberstufe. Die Landesregierung fördert die Schule und macht sie zur Versuchsschule für "Kooperative Gesamtschule" und für "bilingualen Unterricht". Beide Versuche erweisen sich als erfolgreich und dienen anderen Schulen als Vorbild oder Anregung. Aus einer ganz kleinen Schule, die in ihrer Entwicklung immer wieder behindert wurde, weil sie in einer Region lag, wo gegensätzliche Interessen in Deutschland und Frankreich aufeinanderstießen, ist eine Schule geworden, deren Pilotcharakter von in- und ausländischen Besuchern anerkannt wurde. Wichtig waren die Unterstützung durch den Landkreis Südliche Weinstraße und ganz besonders der Rückhalt in der Bürgerschaft Bergzaberns und der Region, die den Bildungswillen ihrer Vorfahren durch all die schweren Zeiten bewahrt hat und aus der immer wieder Schüler kamen, die sich auch in überregionalem Rahmen bewährten.
Gerade weil die Schule wie die ganze Region überhaupt unter den Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich besonders zu leiden hatte, ist ihr die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ein besonderes Anliegen. Ein besserer Namensgeber als Alfred Grosser, namhafter französischer Soziologe und Symbolfigur für das leidenschaftliche Bemühen um die deutsch-französische Versöhnung und Verständigung, hätte nicht gefunden werden können. Der Name und das damit verbundene Programm sollen für die ganze Kooperative Gesamtschule Geltung haben.
Der Name lautet jetzt "Gymnasium im Alfred-Grosser- Schulzentrum". Nachdem in jüngster Zeit das Gebäude des Gymnasiums und die Struktur der Kooperativen Gesamtschule wesentlich verändert wurden, was auch die Struktur des Gymnasiums einschließt, hat sehr wahrscheinlich ein ganz neuer Abschnitt in der Geschichte der Schule begonnen.


Klaus Hörner

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