ERASMUS: Autorenlesung am Alfred-Grosser-Schulzentrum

Erfolgsautor Bachtyar Ali stellt seine erste Übersetzung ins Deutsche vor

„Die Lesung war für mich tatsächlich eine neue und wirklich interessante Erfahrung. Es herrschte durchweg eine angenehme, fast gemütliche Atmosphäre und die Diskussion am Ende regte dazu an, sich noch weiter mit dem Buch zu beschäftigen."
(Charlotte, Schülerin)

Am Montag, den 19. Februar, hatte das Schulzentrum Alfred-Grosser in Bad Bergzabern die Ehre einer Lesung mit Erfolgsautor Bachtyar Ali. Neben den Schülern und Lehrern des Erasmus-Projekts, die Ali eingeladen hatten, nahmen auch die Deutschkurse von Frau Hust-Korspeter, Frau Kliewer und Herrn Müller an der Lesung teil sowie einige Schüler der Klasse 10c von Frau Beinghaus. In der schuleigenen Bibliothek stellte der kurdische Schriftsteller und Lyriker seinen kürzlich ins Deutsche übersetzten Roman „Der letzte Granatapfel" einer versammelten Schüler- und Lehrergruppe vor.

Im irakischen Kurdistan aufgewachsen, zog Bachtyar Ali, vom diktatorischen Regime in Bedrängnis gebracht, vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland, wo er heute in Köln wohnt. Sein erster Gedichtband „Gunah w Karnaval" (Sünde und Karneval) erschien bereits 1992. Mit „Der letzte Granatapfel", der 2016 als erster kurdisch-irakischer Roman in deutschen Bestenlisten erschien und für welchen sein Autor 2017 mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet wurde, gelang dem Autor der Durchbruch in der deutschsprachigen Literatur. Wort- und bildmächtig erzählt Bachtyar Ali über die Kriegsgruel, die sein Heimatland prägen, über die verlorene Generation, aber ebenso über Zusammenhalt und Kameradschaft und über Täter, die gleichzeitig Opfer inmitten eines von Gewalt und Hass gekennzeichneten Landes sind. Im Vordergrund steht hierbei die Figur des Muzafari Subhdam, der nach 21 Jahren aus der Isolationshaft in ein vom Krieg zerstörtes Land, in die vermeintliche Freiheit, entlassen wird. Verzweifelt begibt er sich auf die Suche nach seinem Sohn und trifft auf seiner Reise auf Personen, Geheimnisse und Erkenntnisse, die ihn nicht nur der Wahrheit über seinen Sohn Saryasi, sondern auch der wahren Bedeutungsschwere von dessen Schicksal näherbringt. Bachtyars Erzählweise ähnelt dabei der eines orientalischen Märchens, welches allerdings realitätsnah über wahrhaftige Konflikte und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft aufklärt.

Erasmus Ali 18

Nach einer vorangehenden Verortung sowie Vorstellung der Personenkonstellation des Romans durch die Deutschlehrerin Eleonore Beinghaus kam das Publikum in den Genuss zweier prägnanter Textpassagen, vorgelesen von Schülerin Jasmina von Fragstein und Lehrerin Annette Kliewer. Dem folgte eine abschließende Diskussions- und Fragerunde mit Bachtyar Ali. Wo man sich zunächst nur zaghaft zu äußern wagte, entwickelte sich bald ein reger Austausch über Sinn und Aussage der Geschichte.
Hierbei erläuterte der Autor leidenschaftlich seinen Versuch, das Weltbild des Lesers zu ändern, denn noch immer herrschten – auch und vor allem in seiner Heimatregion, als Konsequenz der blutige Geschichte - Rassismus und Nationalismus . Um die alte, kurdische Geschichte zu wahren, verwende er zudem Symbole aus der kurdischen Mythologie, wie den Granatapfel, welcher als Zeichen der Zusammengehörigkeit fungiere und für den Zusammenhalt der im Krieg aufwachsenden Generation stehe. Sein Hauptthema allerdings sei die Frage, was der Mensch nach solch einer Katastrophe, wie sie sich in der gesamten Region abspielt, noch retten könne. „Man muss versuchen zu retten, zu kämpfen."
 
Zuletzt ist man sich einig: Bachtyar Ali hat es geschafft, einen berührenden, außergewöhnlich poetischen Aufklärungsroman über die weitestgehend vergessenen Opfer eines nicht enden wollenden Konflikts zu schreiben.
Katalin Beer (MSS 11)/KLI 2/18




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