Inhalt:
Geleitwort von Klaus Hörner
Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von 1514 bis 1679
Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zwischen Frankreich und Schweden
Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von 1719 bis 1793
Die Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons
Unter der bayerischen Krone von 1816 bis 1918
In der Zeit der Weimarer Republik
Unter der nationalsozialistischen Diktatur
Die Neueste Zeit
Aus der Chronik des Gymnasiums von 1980 bis 2010
Die Leiter der höheren Schule von 1836 bis 2010
Quellen und Literatur
Anmerkungen
Geleitwort von Klaus Hörner
Günther Volz hat eine Geschichte des Gymnasiums
Bergzabern vorgelegt. Wer sich der Schule verbunden fühlt, wer sich für
die Geschichte der Region und wer sich für Schulgeschichte interessiert,
wird die Schrift mit Gewinn lesen.
Der Verfasser entwirft die Geschichte der Schule aufgrund beachtlicher
Detailkenntnis, die er sich durch gründliches Aktenstudium erworben hat.
Das setzt gründliches Suchen in Archiven und mühseliges Auswerten der
Dokumente voraus. Nur wer darin selbst Erfahrung hat, kann beurteilen,
welch harte Arbeit das bedeutet. Auf dem Hintergrund der
Regionalgeschichte und der deutschen Geschichte breitet er die Fakten so
vor uns aus, dass die Abschnitte in der Geschichte der Schule mit ihren
kennzeichnenden Merkmalen anschaulich werden. Es ist eine klare und
objektive Darstellung, bei der die innere Verbundenheit des Verfassers mit
der Schule, an der er viele Jahre unterrichtete, spürbar ist. Dass
gelegentlich seine persönliche Einstellung gegenüber historischen
Akteuren durchbricht, macht den Text lebendig. Den Bergzaberner Anhängern
der liberalen Ideen, welche die Französische Revolution gebracht hat,
gehört seine Sympathie. Der Widerwille gegen die Auswirkungen, welche die
nationalsozialistische Ideologie auf die deutschen Schulen hatte, lässt
ihn fast leidenschaftlich und ungewöhnlich ausführlich werden.
Die Darstellung öffnet uns die Augen für die Geschichte der Schule auf
ihrem breiteren historischen Hintergrund und in der schulgeschichtlichen
Umgebung. Möglicherweise wird unser Blick auf das Bergzaberner Gymnasium
von heute dadurch beeinflusst, selbst wenn uns das gar nicht zu
Bewusstsein kommen sollte.
Die Darstellung macht deutlich, dass das Schicksal dieses Gymnasiums im
ersten Abschnitt seiner Geschichte, vom 16. bis zum 18.Jahrhundert, auf
dem Hintergrund des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken gesehen werden muss. Im
ehemaligen Kloster Hornbach, nahe der Stadt Zweibrücken, befand sich das
eigentliche Gymnasium des Herzogtums. In Bergzabern, das zu
Pfalz-Zweibrücken gehörte, war nur eine Lateinschule, welche die
Schüler in der Regel vier Jahre lang auf den Besuch des Gymnasiums in
Hornbach vorbereitete. Während dreier Jahrhunderte ist also die
Geschichte der Lateinschule in Bergzabern Teil der Schulgeschichte des
Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Es ist ein kleines, zerklüftetes,
politisch bescheidenes Fürstentum am Rande Deutschlands. Seine Schulen
lassen sich natürlich nicht mit denen in Preußen, Bayern oder auch in
anderen kleinen, zentral gelegenen Fürstentümern, etwa in Thüringen,
vergleichen. Aber im Wesentlichen hielten sie Schritt mit der
Schulentwicklung in deutschen Landen.
Im Rahmen der Schulgeschichte des Herzogtums nimmt die Lateinschule in
Bergzabern einen besonderen Platz ein. Das muss auf dem Hintergrund der
Geschichte Bergzaberns gesehen werden. Die Region Bergzabern/Weißenburg
war ein bevorzugter Austragungsort der zunächst dynastischen, dann
nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich. Ich
weiß nicht, ob es in Deutschland eine Gegend gibt, die in gleichem Maße
zum Schauplatz von Kriegen wurde. Und wenn auch nicht jeder Krieg mit
Zerstörungen in Bergzabern verbunden war, Kriege beeinträchtigen immer
das Leben in einer Region.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 -1648) wurde die Region Schauplatz
zunächst der Kriege, welche Ludwig XIV. führte, von 1672 bis 1713. Nach
Ludwig XIV. folgte der Österreichische Erbfolgekrieg von1740 - 1748. Dann
kamen die Revolutionskriege und Napoleon und die Zeit, als das linke
Rheinufer französisch wurde. Man muss sich überhaupt wundern, dass sich
in diesen turbulenten Zeiten in Bergzabern eine Lateinschule halten
konnte, mit Unterbrechungen zwar und zeitweise unter ganz üblen
Bedingungen.
Ein Rückblick auf den ersten Abschnitt der Geschichte der Lateinschule in
Bergzabern zeigt, dass eine kontinuierliche Entwicklung der Schule und ein
dauerhaft fruchtbarer Unterrichtsbetrieb kaum möglich waren. Wenn aber -
und das ist der nachhaltigste Eindruck -während der genannten Zeit allen
Schwierigkeiten zum Trotz in Bergzabern sich eine Lateinschule halten
konnte, so ist es vor allem das Verdienst der Bürger der Stadt, die sich
immer wieder an die Obrigkeit in Zweibrücken wandten und um Erhalt der
Schule oder um Zuweisung eines Lehrers nachsuchten, die auch bereit waren,
ihren eigenen Beitrag zu leisten und die selbst initiativ wurden.
Von 1816 bis 1918 erstreckt sich der zweite Abschnitt in der Geschichte
des Gymnasiums Bergzabern. Eigentlich hätte ich von den Bayern, die nach
Napoleons Niederlage die Herrschaft in der linksrheinischen Pfalz, im
"Rheinkreis", erhielten, mehr erwartet. Das 19.Jahrhundert ist
ja eine ganz bedeutende Epoche in der deutschen Schulgeschichte. Preußen,
Bayern und eine Reihe kleinerer Fürstentümer bauten eine Schulverwaltung
und ein Schulsystem auf. Das traditionelle klassische Gymnasium, das für
den öffentlichen Dienst die leitenden Beamten und für die freien Berufe
- Ärzte, Advokaten - den Nachwuchs vorbereiten sollte, blieb die
angesehenste Schule. Daneben aber entwickelten sich neue moderne Schulen,
die den Personalbedürfnissen im Handel, in Wirtschaft, Technik und
Industrie, denen ja die Zukunft gehören würde, Rechnung tragen sollten.
Und einige dieser neuen Schulen erreichten am Ende des Jahrhunderts sogar,
dass ihre Absolventen studieren durften.
Von diesem neuen Geist ist im Schulwesen der Region von Bergzabern kaum
etwas zu spüren. Der Leser der Ausführungen von Günther Volz kann sich
des Eindrucks nicht erwehren, dass Bergzabern von der bayrischen
Verwaltung vernachlässigt wurde. Vielleicht schaute die bayrische
Obrigkeit voll Misstrauen in die Südpfalz, wo die neuen Ideen, die nach
der Revolution aus Frankreich gekommen waren, Anhänger gefunden hatten.
Vielleicht lag es aber auch an den Bergzabernern, die keinen Nachdruck
entwickelten. Jedenfalls dauerte es bis zum Jahre 1829, bis wieder eine
Lateinschule eingerichtet wurde. Sie umfasste zwei Jahrgangstufen und
hielt sich nur zwei Jahre. 1836 kam es dann zu einer vierjährigen
Lateinschule, die 1894 auf Antrag des Stadtrats in ein Progymnasium mit
sechs Jahrgangstufen umgewandelt wurde. Während der ganzen Jahrzehnte
scheint es eine Konstante gewesen zu sein, dass der Leistungsstand der
Schule unbefriedigend war. Er war schlechter als an anderen Lateinschulen
der Pfalz, wie ein Subrektor der Schule klagte. Und das Progymnasium galt
im Hinblick auf seine Forderungen als "Erholungsschule". 1908
wurde die Schule zur fünfklassigen Lateinschule zurückgefahren.
Die Epoche vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bildet
gewissermaßen den dritten Abschnitt in der Geschichte des Gymnasiums
Bergzabern. Es ist eine politisch sehr bewegte Zeit, die auch die Schulen
voll ergreift. Die Ideologie durchdringt und prägt Unterricht und
Erziehung. Günther Volz schildert das ausführlich und mit spürbarer
innerer Beteiligung. Die Schule in Bergzabern wird jetzt zur Oberschule
mit sechs Jahrgangsstufen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt der glücklichste Abschnitt in der
Geschichte der Schule. Nach einer gewissen Anlaufphase bemüht sich das
neugeschaffene Land Rheinland-Pfalz sichtbar um die südpfälzische
Grenzregion. Die Schule in Bergzabern bleibt zunächst Progymnasium, wird
dann aber ab 1964 zu einem Gymnasium mit Oberstufe. Die Landesregierung
fördert die Schule und macht sie zur Versuchsschule für
"Kooperative Gesamtschule" und für "bilingualen
Unterricht". Beide Versuche erweisen sich als erfolgreich und dienen
anderen Schulen als Vorbild oder Anregung. Aus einer ganz kleinen Schule,
die in ihrer Entwicklung immer wieder behindert wurde, weil sie in einer
Region lag, wo gegensätzliche Interessen in Deutschland und Frankreich
aufeinanderstießen, ist eine Schule geworden, deren Pilotcharakter von
in- und ausländischen Besuchern anerkannt wurde. Wichtig waren die
Unterstützung durch den Landkreis Südliche Weinstraße und ganz
besonders der Rückhalt in der Bürgerschaft Bergzaberns und der Region,
die den Bildungswillen ihrer Vorfahren durch all die schweren Zeiten
bewahrt hat und aus der immer wieder Schüler kamen, die sich auch in
überregionalem Rahmen bewährten.
Gerade weil die Schule wie die ganze Region überhaupt unter den
Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich besonders zu leiden hatte,
ist ihr die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ein
besonderes Anliegen. Ein besserer Namensgeber als Alfred Grosser,
namhafter französischer Soziologe und Symbolfigur für das
leidenschaftliche Bemühen um die deutsch-französische Versöhnung und
Verständigung, hätte nicht gefunden werden können. Der Name und das
damit verbundene Programm sollen für die ganze Kooperative Gesamtschule
Geltung haben.
Der Name lautet jetzt "Gymnasium im Alfred-Grosser-
Schulzentrum". Nachdem in jüngster Zeit das Gebäude des Gymnasiums
und die Struktur der Kooperativen Gesamtschule wesentlich verändert
wurden, was auch die Struktur des Gymnasiums einschließt, hat sehr
wahrscheinlich ein ganz neuer Abschnitt in der Geschichte der Schule
begonnen.
Klaus Hörner
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