Prosa der AG 

Kreatives Schreiben


"Kolumbus führte die französische Revolution an!"

von Kathrin Schäfer

Ich muss sagen, dass unser Geschichtsunterricht heute am Besten war. Und das will was heißen, denn schließlich gibt es nichts schlimmeres als eine Stunde Geschichte. Warum man Jahreszahlen lernen soll, die vor 2000 liegen, finde ich sonderbar, denn warum soll ich in der Vergangenheit leben, wenn es eine Zukunft gibt. Und die gibt es! Hoffe ich jedenfalls. Das interessante am Unterricht war die neue Schülerin. Unsere Klasse ist verboten klein, weshalb eine Schülerin nur Vorteile bringt, und wie wir hofften, Leben in das Eintönige Schulerdasein. Und das sie nichts gewöhnliches war, war schon an ihrem Aussehen zu erkennen. Die Ursprüngliche Farbe ihrer Haare, die ihr leicht über die Schultern reichten, war nicht zu definieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit pinken, lilanen, blauen und roten Haaren geboren wurden, ist ebenso unwahrscheinlich, wie ihre echtwirkenden spitzen Ohren.
Auch ihre Kleider waren ungewöhnlich. Sie hatte ein bauchfreies knall grünes T-Shirt an, mit orangenen Punkten darauf. Auch die Hosen waren kurz. Viel zu kurz und zu knallig! Es waren die passenden Hosen zum T-Shirt. Nur das die Hose orange waren und grüne Punkte hatte. Mir war schon kalt als ich sie ansah, draußen waren es nur 14 C°! Ich hatte lange Jeans und einen gestrickten Pulli von meiner Oma an.
Der Lehrer sagte ihr, sie solle sich neben mich setzten, und da saß sie dann und grinste den Lehrer an, als gelte es sein missmutiges Gesicht zu verändern. (Hoffnungsloser Fall, wenn ihr mich fragt!)
"Mal sehen"., brummte Herr Trotz. "Was du weißt. Was war 1492?"
Das Grinsen verschwand nicht von ihrem Gesicht.
"Kolumbus führte die Französische Revolution an, und das führte zum dritten Weltkrieg."
Der Lehrer war zu verdutzt um zu antworten. "Ich weiß ich bin genial", sagte sie.
"Du", er bellte vor Wut.
"Lil", antwortete sie mit einem freundlichen Grinsen.
"Du..", und damit wendete er sich zur Tafel.
Ich weiß nicht so recht, ob sie so der rechte Umgang für mich ist. Mama sagte ich solle mir eine andere Freundin suchen. Aber ich glaube ich mag sie. Immer fröhlich und nicht so gescheit, wie die anderen. Lil ist doch ein hübscher Name. Ich wüsste nur zu gerne wie sie in unsere Schule kam, und vor allem warum. Sie hat nichts aufgeschrieben und spricht weder Englisch noch Französisch. Sie saß nur in der Schulbank und hat gelächelt und falsche Antworten gegeben und vor allem, sie ist nach der vierten Stunde verschwunden, wir hatten sechs Stunden! Hoffentlich kommt sie morgen wieder, es war lustig.


Die Hamburg

von Kathrin Schäfer

Es gibt keine Vorschrift, die sagt, wie man an Deck entlanggehen soll. Warum auch? Aber die Leute sahen mich so an als verstieß ich gegen solch eins , wie ich das Deck entlang lief. Eigentlich war es eine Art Tanz. Hoch, Tief, Hoch, Hoch, Tief, Tief, Kreis, rückwärts und wieder geradeaus. Dabei trällerte ich ein Lied, das eine eigenartige Mischung war aus jenem uralten „Alle meine Entchen“ und einer Melodie aus „Die Fledermaus“ von Strauss. Eine ältere Dame beschwerte sich über „die heutige Jugend“. Eine Frau Mitte vierzig zischte in Richtung ihres Mannes etwas wie „verrücktes Ding“, auch fing ich etwas wie „Irrenanstalt“ auf, was sich Jungen in meinem Alter zuriefen. Mich störte es nicht. Hoch, Tief, Tief, Hoch.
Einer meiner Begleiter, die auf mich und meinen Bruder aufpassen sollten, baute sich vor mir auf und zischte mir zu: “Kannst du dich nicht wie jeder normaler Mensch benehmen?“
Ich schüttelte den Kopf, drehte mich um und ging in die andere Richtung. Da griff mich jemand am Arm. Ich drehte mich um, um unsere Begleitperson zu erklären, dass ich so laufen konnte, wie ich wollte und ich ja sowieso nicht mitgewollt hatte und das die ruhig denken konnten, dass ich verrückt sei und dass keine Begleitperson berechtigt war mir zu verbieten über das Deck zu laufen. Doch es war nicht die Erwartete. Nein es war ein Junge. Schwarz, mit schwarzen Locken. Seine Augen waren so schwarz wie eine sternlose Nacht. Er lächelte mir zu. Schüchtern lächelte ich auch und versuchte gerade zu stehen, denn von dem vielen Drehen war mir leicht schwindelig.
„Hallo“, sagte ich und merkte erschrocken, wie leise meine Stimme klang.
„Hallo“, sagte er mit einer Stimme, der deutlich anzuhören war, dass er sich im Stimmbruch befand.
„He Neger, gib dich nicht mit ihr ab!“ rief einer der Jungen. “Sie ist verrückt“.
Ich schwieg und sah zu Boden. Verrückt! Was ist das? Wer ist das??
„Gut“, rief der Junge vor mir zurück. „Dann passen wir gut zusammen.“ Die Jungs in Jeans schwiegen. Das hatten sie nicht erwartet. Dann lachten sie.
„Ich mag dich, wie heißt du?“, fragte der Junge. „ich heiße Anders.“
„Manche rufen mich Eva. Aber ich bevorzuge andere Namen. Meine Mutter nennt mich Sonnenschein.“
„Ich werde dich Blüte nennen.“ sagte er und lächelte, während er mich musterte. „Kirschblüte. Ich liebe Kirschen, du auch?“
Ich nickte.
Dann kam einer der Frauen, die mich begleiteten und zogen mich weg.
„Mit einem Neger gibst du dich nicht ab.“
Dieses Glück musste mir verdorben werden. Doch morgen werde ich ihn suchen.


In der Fuchslochstraße

von Vera Strohmeier

Düsteres Wetter , die Stadt erscheint mir so grau und negativ.
"Oh nein, jetzt fängt es auch noch an zu regnen." Doch trotzdem gibt es hier in der Stadt ein Ort, indem sogar jetzt noch die Sonne scheint. Klingt verrückt oder? Hier lauf durch Straßen und Gassen , fast alle sind vom Müll übersäumt. Und dieser Geruch ist unerträglich. Es
riecht nach faulem Zeug, nassem Hund, Alkohol und das alles auf einmal. An der nächsten Straßenecke liegt ein Mann auf dem Asphalt,
er blutet stark. Das ist hier keine Seltenheit. Ich rufe den Krankenwagen und binde ihm mit meinem Schal einen Druckverband
über die stark blutende Wunde. Ich setze mich auf eine Treppenstufe von einem in der nähe liegendem Haus. Wie gerne wäre ich jetzt an dem Ort wo immer die Sonne scheint, dort in der Fuchslochstraße. In der Fuchslochstraße sind alle Häuser bunt. ES leben dort Leute aus
aller Herren Länder friedlich miteinander. Oh Stopp, was sehe ich da.
Zwei Penner haben sich an das bewusstlose Schussopfer herangeschlichen und zerren an seinem Mantel. Na Klar, die
suchen seine Brieftasche. Ich renne zu dem Bewusstlosen und verscheuche die Penner. Jetzt beklauen die auch noch Halbtote oder wie? Ich glaube, ich messe mal den Puls des Verwundeten. Nur leicht,
aber er ist noch vorhanden. Mensch, viel lieber wäre ich jetzt im Fuchsloch, ein Park in der Fuchslochstraße. Der Fuchslochpark ist zwar nicht sehr groß, aber wunderschön. Links und rechts des Trampelpfads blühen Blumen in allen Regenbogenfarben. Es gibt dort
riesige Bäume und in der Mitte des Parks ist eine große grüne Wiese.
Oft spielen dort viele Kinder und einige junge Paare picknicken.
Da, endlich das Martinshorn. Der Krankenwagen fährt um die Ecke und ich geh jetzt ins Fuchsloch.


Die Schöpfungsgeschichte

von Kathrin Schäfer

Durch die heiße Wüste, auf die die Sonne brannte, schlängelte sie sich und traf auf Grün, das an Wasser lebte und sich dort erstreckte. Dort war es kühl und die Schlange, die diese Kühle der Hitze vorzog und gedachte die Früchte zu genießen, bewegte sich darauf zu. Dort gab es Wasser und Gras. Einmaliges Erlebnis seit sie existierte. Lange war das noch nicht. Die Sonne war noch nicht lange aufgegangen und die Schlange konnte nicht wissen, was passierte, wenn die Sonne wieder versank. Sie wusste nur, dass sie essen musste. Als sie in die Kühle der grünen Bäume einging und im Gras verschwand, genoss ihre Existenz. Es war fast dunkel unter den Bäumen, im Gegensatz zu der hellen Wüste. Doch sie wusste, dass sie etwas essen musste, und da begegnete ihr etwas, was sie noch nie gesehen hatte. Das was sie sah, war klein, kleiner als die Schlange und grau. Die Schlange wusste, dass dieses Wesen etwas Wichtiges in ihrem Leben sein würde, wusste jedoch zunächst nicht welche Rolle es einnehmen sollte. . Es sei eine Maus und müsse sich vor Schlangen in acht nehmen erklärte die Maus. Und wer sie denn sei. Die Schlange sagte, sie sei eine Schlange und fraß die verdutze Maus, nachdem sie begriffen hatte, dass die Maus die Rolle ihrer ersten Mahlzeit übernehmen würde. Die Stunden vergingen und die Nacht kam. Die Schlange bekam erst Angst, als es dunkel um sie wurde. Doch dann wusste sie, dass das normal war und der sechste Tag anbrechen würde. Und er brach an. Nach der Finsternis, die ,da es Hochsommer war, nur kurz weilte, kam der Tag und mit ihm der Mensch. Und die Schlange mochte die Kreatur nicht.

Sie überlegte , wie sie diesem Menschen schaden konnte, denn niemand sollte über sie herrschen. Und sie wusste, dass der Mann leicht zu verführen war, jedoch nicht von ihr, sondern von der Frau. Und die Schlange sagte leise zu der Frau, der Baum trüge gute Früchte. Die Frau glaubte der Schlange und sprach zum Mann, sie wolle solch eine Frucht. Da der Mann die Frau liebte, nahm er solch eine Frucht und gab sie der Frau. Da fuhr Gott hernieder und verbannte die Menschen aus dem Garten. Die Schlange aber durfte bleiben, weil sie bewiesen hatte, wie ungehorsam die Menschen waren.


Erster Kontakt

von Kathrin Schäfer

Frau Hase war wie jede andere Frau. Oder auch nicht. Jedenfalls war sie wie jede andere gewesen. Hatte die Schule abgeschlossen und sieben Jahre später geheiratete. Einen gewissen Herrn Topf. Danach hatte sie nicht mehr Lena Hase, sondern Lena Topf geheißen. Jedoch hatte der Mann sie verlassen und Lena Topf hieß wieder Lena Hase. Nun war alles wieder wie vorher. Frau Hase lebte in einem weißen Haus mit einer roten Türe und stieg wieder morgens um neun auf. Früher war sie mit ihrem Mann um sieben Uhr aufgestanden, jetzt war dies nicht mehr nötig. Wenn sie dann aufgestanden war stellte sie das Radio an, stellte es aber gleich wieder aus und schimpfte auf die sonderbare Musik, die heute im Radio kam; seufzte dann laut und bemitleidete die Jugend, die solch Niveauloses hörte. Danach nahm sich Frau Hase oft ein Stück Brot, beschmierte dies mit Butter und Marmelade und frühstückte vor dem Fernseher. Nach dem Frühstück schaltete sie den Fernseher aus und wusch das Geschirr ab. Danach ging sie schnurstracks in ihre Lieblingskamme, die vollgestellt war mit Büchern, einer Nähmaschine, verschiedenen Schreibwerkzeugen und Papier. Es herrschte das reinste Chaos, doch hier fühlte sich Frau Hase wohl. Hier verbrachte sie meistens ihre Tage mit Lesen oder Nähen. Wenn ihr dann ein guter Einfall kam, schrieb sie diesen auf einen Notizblock, den sie immer bei sich trug, denn eines Tages würde sie einen Roman veröffentlichen, einen echt guten. Das Einzige, was sich grundlegend geändert hatte, war ihr Verhältnis zu Männern. Diese wurden gemieden und heiraten wollte sie auch nicht mehr. Wenn sie einmal einsam war, und das kam schon mal vor, dann sprach sie mit sich selber und nannte sich Lenchen. So hatten sie ihre Mutter genannt und ihre Schwester. Ihr Mann hatte sie Mäuschen genannt oder Schatz und diese beiden Wörter durften in ihrem Haus nicht fallen. Wenn sie sich aber Lenchen nannte, dann lächelte sie und war glücklich. Die Nachbarn waren ihrer Meinung nach sonderbar und die Nachbarn hielten sie für verrückt. Jedoch Frau Hase war das egal. Abends schrieb sie dann in ihr Tagebuch. Seit 24 Jahren tat sie dies. Vor 24 Jahren hatte sie ihr Mann verlassen und an den ersten Seiten hatte Frau Hase viel über ihre Trauer geschrieben. Sie war traurig gewesen, sehr traurig und wütend. Doch jetzt war sie froh über dieses Dasein und das Einzig, was jetzt von ihrem Mann in den späteren Seiten übrig war, war die Jahreszahl, denn Frau Hase hatte das Jahr, wo er sie verlassen hatte zum Jahre Null erklärt.
Vom 27. März im Jahre 24 steht zu lesen.

Liebes Lehnchen, 27. März. 24
Heute morgen bin ich aufgestanden. Obwohl ich nicht wollte. Dann habe ich mich doch überredet und habe gesagt: „stell dir vor, was du alles machen kannst! und Pfui, wenn dich die Spatzen mittags noch im Bett sehen." Daraufhin habe ich erwidert, dass es keine Spatzen hier gibt. Bin aber doch aufgestanden. Als ich dann gestanden bin, habe ich überlegt Morgengymnastik zu machen. Habe es mir aber anders überlegt und bin mich waschen gegangen.
Das Frühstück fiel wegen meiner Diät ins Wasser. Ich bin dann Lesen gegangen. Das Buch war spannend und sehr interessant. Als ich dann die letzte Seite gelesen hatte, war es Abend. Ich aß Abendbrot. Tomatensalat. Es ist Sonntag, das heißt morgen ist Montag, also morgen werden die Mülleimer geleert. Somit musste ich erneut eine Operation starten. 23 Uhr 45 und 27 Sekunden. Ich nahm die Mülltüte und schlich mich nach draußen. Du weißt ja, ich leere meinen Mülleimer immer nachts, geht doch niemanden etwas an, was ich für Müll habe, oder? Grade als ich die letzte Tüte leerte, hörte ich ein seltsames Geklapper. Ich dachte, es seien die Nachbarn. Wobei ich mich ernsthaft fragte, was die Nachbarn zu dieser Zeit noch machten. Doch es waren nicht die Nachbarn, es war ein Überfall. Denn plötzlich vernahm ich eine Stimme: “Hände hoch!“ Natürlich tat ich es nicht. Ich gehorche niemanden. Aber umdrehen musste ich mich, du weißt ja, wie neugierig ich bin. Da stand er. Er ist ein Mülleimer. „Müll bitte.“, sagte er. Ich sah ihn an wie ein kaputtes Auto und er starrte zurück. „Müll bitte. Bitte den Müll.“ Ich verstand nicht, was er mit dem Müll wollte, jedenfalls wollte er ihn haben und da ich erstens ein freundlicher Mensch bin, zweitens es kein großer Verlust ist und drittens ich es als ersten Kontakt sah, gab ich ihm den Müll. Schließlich habe ich von niemandem sonst gehört, dass er mit einem Mülleimer kommuniziert hat oder überfallen wurde. „Danke“, sagte er und senkte die Pistole. „Gerne geschehen“, sagte ich. Er rollte in die Mitte des Gartens und rief in sein Telefon ohne Strippe, Handy genannt, wenn ich mich nicht irre. „Habe ihn.“, dann verschwand er. Vielleicht ein Marsmensch. Meinst du nicht, dass das interessant ist? Ich werde es sonst niemandem erzählen, die können grade warten, bis sie auch überfallen werden. Aber eine Idee für meinen Roman habe ich.
Hochachtungsvoll
Lena Hase
PS. Was will er wohl mit dem Müll?


Nach dem Tod

von Kathrin Schäfer

Ich atmete tief durch. Der Lehrer verabschiedete sich und klappte das Buch auf. Wir taten es ihm gleich und er begann uns Daten von der Schlacht im Jahre xy zu sagen. Ich gähnte. Den kleinen, auseinandergezogenen und geglätteten Zettel lesend hörte ich mit halbem Ohr wie unser Lehrer etwas von der Französischen Revolution und Robespeare erzählte. Dann schickte ich den Zettel zu seinem Ursprung, wo er säuberlich nochmals geglättet und dann eingeklebt wurde. So dass das Löschblatt, in der Farbe eines hellen Rosas, wie neu aussah. Bis auf die Schrift die nun mit dem Füller entfernt wurde. Wir begannen sauber in unserem Heft die Schrift zu entfernen während der Lehrer ununterbrochen uns von Ludwig XVI erzählte und die Klasse gähnte. Es war wahrhaft ein Trauerspiel wie wir müde und gelangweilt in unserem Klassenzimmer saßen, während der Lehrer streng und trocken jetzt von Ludwig dem XIV sprach. Als es klingelte und der Lehrer, endlich, ging waren wir, oder viel mehr der Lehrer, bei dem Mittelalter angelangt. Und weiter ging es mit Deutsch, wobei unser Lehrer Vorwürfe auf mich niederprasseln ließ, wie schlecht mein Diktat ausgefallen war und ich betreten auf meine Arbeit sah, die so rot war, dass man hätte meinen könnte eine Fliege wäre, nach einem Fußbad in roter Tinte, auf meiner Arbeit herumgewanderte, und zwar sehr lange. Der Lehrer sammelt die arbeiten ein und sagte, wie so oft, dass unsere Klasse unfähig für dieses schule wäre und viele sich vielleicht überlegen sollten die schule zu wechseln, außerdem fügte er seiner Predigt hinzu, sei er enttäuscht, dass wir eine Arbeit mit 3,9 schreiben konnten nachdem wir wochenlang geübt hatten. Nach diesen Worten marschierte er mit den heften unter dem Arm nach draußen. Ich begann mit meiner Freundin zu albern bevor wir die Treppen hinunter stiegen und langsam aber sich uns zum Bus begaben. Wir stiegen ein und setzen uns, da sonst nirgends Platz war, auf die Treppe. Die sonne ging im Osten unter und als wir ankamen, war es dämmrig. Meine Freundin und ich trennten uns mit einem "Hallo". Ich lief nach Hause. Dort putzte ich meine Zähne und hetzte zum Frühstück. Dies verschlang ich, sah auf die Uhr und stöhnte laut, bevor ich mich zu Bett legte und schlief.

"Und?", fragt der Engel. " Bist du zufrieden?" Ich schweige und schütte den Kopf. "Warum nicht", fragt der Engel. Als ich weiterhin schweige lächelt er. "Du bist zu uninteressiert. Hoffst auf das Ende der Stunde und genießt nicht jede Minute."
"Aber.", widerspreche ich doch. "Der Geschichtsunterricht war so öde. Er hat geredet und geredet und geredet und der Deutschlehrer konnte mich nicht leiden."
"Nein? Woher weißt du das?". Fragt der Engel. " Er hat mir ständig gepredigt wie unfähig ich bin. Die Aufsätze hat er nicht gemocht. Meine ausdrucksweiße war ihm zu primitiv meine Schrift zu unleserlich und meine Ideen verrückt. Die Diktate nicht zu erwähnen. Bestimmt hatte er auch was gegen meinen Nagellack."
Der Engel beginnt zu grinsen. " Du mochtest ihn nicht und das Fach auch nicht und den Rest hast du dir eingebildet. Willst du nochmals diese vier Stunden genießen".
"Ja", sagte ich und nicke bekräftigend. Was der Engel sagt leuchtet mir ein.
" Aber", höre ich ihn noch" das mit dem Nagelack ist möglich und verständlich", dann verschwindet er und ich muss lächeln.

Der Wecker klingelt und wie von der Tarantel gestochen springe ich aus dem Bett und gehe frühstücken. Dann putze ich meine Zähne und gehe leise summend zur Bushaltestelle. "Hallo", begrüße ich meine Freundin. Sie grüßt ebenfalls und zusammen steigen wir in den Bus. Als wir in der Schule ankommen ist es hell. Wir begeben uns in den Unterricht und reden bis unser Lehrer mit den Arbeitsheften herein marschiert. Er sieht so griesgrämig aus, dass man Meinen kann, er habe in eine Zitrone gebissen. Ich weiß was er uns nun sagen wir, und tatsächlich erklärt er uns wie enttäuscht ist. Ich bekomme mein Diktat wieder mitsamt Strafpredigt. Ich beschließ nächstes Diktat besser zu schreiben. Danach haben wir Geschichte und ich versuche ihm zu folgen. Als es mir dann zu langweilig wird. Jedoch genieße ich jede Minute, denn abends, so weiß ich, wird der Engel kommen und mich in einen andern Teil meines Lebens mit zu nehmen. Damit ich begreife welch ein Geschenk das Leben war. Und wenn wir am Ende angekommen sind, wird der Engel mich mitnehme, aber nicht als alte Frau, die ich nun bin, sondern als junges Mädchen, das im Geschichtsunterricht Briefchen schrieb.
1.5.04


 

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