"Die in den gezeigten Bildern zwischen Figuration und
Abstraktion hin- und herpendelnden individuellen ‚Bildformeln' bauen ...
einerseits auf zahlreichen Vorbildern aus der Kunstgeschichte auf,
andererseits entstammen sie Kindheitserinnerungen, Mythen, subjektiven
Phantasiewelten, Fantasy- oder Comicspielen, Ritterromanen oder
allgemeinverbindlichen Form- und Themen bereichen. Aber auch die Natur
dient hierbei als eine wesentliche Grundlage für Inhalte, Motive, oder
Formen, ob nun unmittelbar zitiert, romantisch überhöht, visionär
transformiert oder sehnsuchtsvoll collagiert."
Dieses Zitat aus der Informationsbroschüre der Kunsthalle
kennzeichnet nicht nur die ausgestellten Werke, sondern genauso die Texte,
die die SchülerInnen dazu verfasst haben.
Das Kreative Schreiben zu Bildern einer Ausstellung beweist damit einmal
mehr, wie leicht verständlich und zugänglich moderne Kunst ist.
Die Texte spiegeln zum einen die Dingebene der ausgewählten Werke, zum
anderen aber - und das vor allem - die Stimmungen, für die die
SchülerInnen gerade empfänglich waren. Weil diese Stimmungen beim
intensiven Betrachten der Bilder zu schwingen beginnen, sind die Texte
sprachlich nicht durchkomponiert. Sie deuten verschiedene mögliche
Stilebenen an oder probieren eine Reihe von Motiven aus, ohne eins zum
Abschluss zu bringen. Sie sind in alle Richtungen offen und wünschen sich
ebensolche LeserInnen.
Die SchülerInnen bearbeiteten folgende Werke:
1. Yan PEI-MING (*1960): "Paysage international peint
à Trièves" (1998)
2. Dieter MAMMEL (*1965): "Bernd mit Ball" (2002)
3. Nina HOFFMANN (*1948): "Rap oder Rebecca" (2004)
4. Magnus VON PLESSEN (*1967): Bild 4, 1 und 3 aus der Serie
"Nachttraum" (alle 1999)
5. Dana SCHULZ (* o. Angabe): "Soup 2001" (1976)1
Bedauerlicherweise sind Reproduktionen der Kunstwerke nicht verfügbar.
Carola Stoob
Fußnote: Die Angaben entstammen den 31 Seiten
Informationen, die die Kunsthalle Mannheim zusammengestellt hat (N.N.).
Ein Katalog lag nicht vor. Farbige Reproduktionen waren nicht erhältlich.
Für die Richtigkeit der Angaben übernehme ich keine Gewähr.
Das Bild von Dana SCHULZ zeigt ein Rasenstück; von der gleichen
Künstlerin hing gegenüber ein Bild, auf dem eine Suppendose aus Blech
vorkommt. Dieses Werk war "Projekt at Kensington" betitelt. -
Möglicherweise wurden die Titel bei der Hängung vertauscht.
Am Morgen des 15.01.2005 machten sich die acht Schüler der AG Kreatives
Schreiben mit ihrer Lehrerin Frau Stoob auf den Weg nach Mannheim zur
Kunsthalle *, um dort mal die Ideenkiste anzuheizen. Als man nach kurzen
Diskussionen und langen Benimmregeln endlich ins Museum eingelassen
wurde, war die Freude groß!
Frau Stoob ließ dann die SchülerInnen sofort (sozusagen) auf die
Bilder los.
Die Devise lautete: Schreibe eine Geschichte zu deinem Lieblingsbild und
lasse dabei deiner Fantasie freien Lauf. Auf die Federn, fertig, los!

Am Anfang bildeten sich kleine Grüppchen. Es wurde viel über die
Bilder gegrübelt und diskutiert, natürlich auch über manche gelacht.
Einige von uns nahmen sich vor, zuerst alle Bilder einmal zu betrachten.
Aber während dieses Rundgangs lösten sich die Gruppen dann doch auf
und jeder fand ‚sein' Bild, an dem er kleben blieb. Es wurde
geschrieben und geschrieben und es entstanden die aufregendsten
Geschichten, von U-Booten, sprechenden Bäumen, Kobolden und
eigenwilligen Menschen.
Die anderen Besucher des Museums gingen immer mit neugierig-verwunderten
Blicken an uns vorbei. Einige Besucher sprachen uns an und fanden unser
Unternehmen toll.
Doch die meisten wagten es nicht nach unserem Treiben zu fragen.
Vielleicht wollten sie uns nicht bei unserer Geschichte stören.
Die meisten Geschichten sind in eineinhalb Stunden fertig geworden; drei
SchülerInnen haben ihre Geschichte zu Hause beendet.
Dann brauchten wir noch schnell - hier und da- ein Foto.
Den Tag haben wir - nach einem ausgiebigen Mittagessen - durch eine
kleine Shoppingtour abgerundet; dann ging es leider wieder nach Hause.
Es war für alle eine positive Erfahrung und ein lustiger Ausflug, bei
dem tolle Sachen herausgekommen sind.
*) Direkte Malerei - zeitgenössische Künstler - die
Ölfarben waren noch nicht trocken.
Der Bericht ist von Elena Klinkhammer; er erschien zuerst in den
"Nouvelles".
Die Photos sind auch von ihr sind mit Kathrins Kamera gemacht.
Die Aufnahmen machten: Hr. Schäfer, Elena, Fr. Stoob
*) Kunsthalle Mannheim: Die Ausstellung "Direkte Malerei" war
vom 06.11.2004 - 01.05.2005 zu sehen und zeigte überwiegend die Werke
ganz junger Künstler oder ganz frische Werke.
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Begegnung
Es gibt Menschen, die sind anders. Anders als andere.
Sie denken nach Mustern, die für andere zu unlogisch sind. Sie reden
anders als andere, und deshalb nennt man sie dumm. Man sieht es ihnen
nicht an. Denn diese Menschen erscheinen wie andere, nur mit der
Ausnahme, dass sie anders sind. Und so ein Mensch bin ich auch. Ich war
immer anders, bin anders geboren. Schon im Kindergarten saß ich abseits
und ich weiß nicht mal, was so anders an mir ist. Ich trage Jeans wie
jeder andere, und unterscheide mich äußerlich in nichts von den
anderen. Aber ich denke anders. Wenn ein "Normaler" einem
anderen Menschen trifft, so nimmt er Abstand oder lernt ihn kennen,
indem er ihn anspricht. Wenn ich einen Menschen treffe, dann beschließe
ich sofort , den mag ich oder den mag ich nicht. Das ist der erste
Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, und das tue ich an der
Kleidung ab oder an seiner Art sich zu bewegen, zu sprechen. Wenn ich
ihn nicht mag, dann rede ich so wenig wie möglich mit ihm. Ich lebe
einfach so neben ihm her. Wenn ich einen Menschen mag, dann ist es nicht
anders. Dann spreche ich ihn auch nicht an. Aber ich lasse ihn in meine
Welt. Er beginnt für mich zu existieren. Ich nehme ihn wahr. Und es
gibt Menschen, wenn ich sie das erste Mal sehe, dann faszinieren sie
mich. Ich weiß einfach, der Mensch interessiert mich. Der Mensch
erfährt nie, dass er mir nicht gleichgültig ist. Aber ich lasse ihn in
meine Welt und denke über ihn nach. Ich beobachte seine Augen, wenn ich
mit ihm spreche. Mir fallen dann Kleinigkeiten auf, Falten um die Augen,
wenn er lacht oder ein goldener Ring an seiner Hand. Keiner sieht so wie
ich die Welt, beobachtete die Menschen wie ich. Deshalb werde ich nie
sein wie die anderen. Ich bin anders!
Getauft bin ich auf den Namen Kassandra. Aber ich höre nur auf Kes.
Keine Ahnung, wo dieses e herkommt. Wenn ich allein bin, nenne ich mich
Tulpenblatt. Ich mag das Wort. Jeder Mensch braucht Zärtlichkeit und
weil ich entweder mehr brauche als andere oder aber, weil ich zu wenig
bekomme, gebe ich mir selber davon. Das ist für mich sehr wichtig, und
ich bin ja immer da, um zärtlich zu sein. Mein liebster Ort sind die
Weinberge. Da ist niemand außer dem Grün. Das Grün, das ich so liebe.
Und die Einsamkeit, die ich oft suche. Oftmals sitze ich einfach
zwischen den Reben, genieße die Luft, die nach Freiheit richt und lese.
Seit eben führe ich ein Tagebuch. Auch hier unterscheidet sich meine
Auffassung von der der anderen. Denn ich bin der Auffassung, dass ich,
wenn jemandem schreibe eigentlich ja dem Tagebuch, braucht der oder das
einen Namen, weshalb ich das Tagebuch Limo nannte . Also, wenn ich dir,
Limo, schreibe, muss ich mich vorher erst vorstellen und das habe ich
soeben getan.
Das Tagebuch habe ich deshalb angefangen, weil es so viele Dinge gibt,
vor denen ich Angst habe, ich könnte sie vergessen. Und weil ich einen
Menschen kennen gelernt habe, bei dem ich meine Prinzipen über den
Haufen werfen musste. (Mein wichtiges Prinzip niemanden anzusprechen
nämlich.) Es geschah von einer Sekunde zur nächsten und zwar, als es
zu spät war, da begriff, er ist einer, der anders ist.
Ich bin zur Schule gegangen. Eigentlich bin ich mit dem
Bus gefahren. Neben mir war ein Platz frei. Ich sah aus dem Fenster. Ich
finde es schön aus dem Fester zu schauen. "Warum können Vögel
fliegen?", fragte ich mich. Und ich suchte die Antwort nicht in den
hohlen Knochen, oder den Flügeln, sondern allein in der Tatsache, dass
sie flogen.
"Darf ich mich setzten?", fragte jemand. Ich sah hoch und
nickte. Ich hatte überlegen müssen. Denn er war ein Punk. Das sieht
man hier nicht selten. Aber es gibt Punks, die sind nur des Alkohols
wegen Punks oder weil es einfach cool ist, und deshalb halte ich mich
aus Prinzip von Punks fern. Er setzte sich. Seine bunten Haare machten
ihn einen Kopf größer als er war. "Danke!".
Ich sah wieder nach draußen.
"Seltsam", sagte er. . Ich wandte ihm meinen Kopf wieder zu.
Was sollte denn seltsam sein? dachte ich. Sagte aber nichts. Ich rede
grundsätzlich nicht mit Menschen, die für mich nicht existieren.
"Das es Tiere gibt, die die Welt nur von oben kennen. Ich wollte
immer schon fliegen. Du nicht auch?", Ich nickte und wendete mich
wieder dem Fenster zu. "Bist wohl keine von den
Gesprächigen.", erwiderte er und damit war das Gespräch beendet.
Aber ich hatte ein schlechtes Gefühl im Bauch. Ich hätte freundlicher
sein können. Ich hätte etwas erwidern können. Aber ich hatte es nicht
getan. Ich hatte einfach dagesessen und genickt. Er sah geradeaus. Er
spiegelte sich in der Scheibe vom Bus und ich sah nicht mehr zu den
Vögeln, sondern beobachtete, wie er sich über den Kopf strich. Wie er
sich die Augen rieb. Ich zog den Geruch seiner frisch gewaschenen
Wäsche ein. Ich schielte auf seine Hände. Fast waren es Mädchenhände
und er trug Ringe daran. In seinem Ohr trug er Kreolen. Silberne Kreolen
mit feinen Zeichen: Ich hatte ihn in meine Welt gelassen. Der Bus hielt
an. Der Punk stieg aus. Ich sah ihn auf den Pflastersteinen nur auf die
dunklen treten. Da entschwand er meinem Blickfeld. Ich habe viel über
ihn nachgedacht. Denn ich habe ihn als einen meinesgleichen erkannt. Er
war anders!!!
Als wir von der schule wieder zurückfuhren, hoffte ich, er würde
kommen. Ich bete fast förmlich darum. Und er kam. Ich lächelte ihm zu,
wollte ihm bedeuten, er könne sich neben mich setzen. Aber er sah mich
nicht, obwohl seine Augen kurz auf mir hängen blieben. Ich erkannte an
seinen Augen, die nicht im Entferntesten ein Erkennen wiederspiegelten,
er hatte mich aus seiner Welt ausgeblendet. Er ließ mich nicht ein.
Mich verletzte das sehr. Was dachte er über mich? Ich wollte ihn
ansprechen, ihm sage, dass ich zu seiner Sorte gehöre, dass ich auch
ein Außenseiter wäre. Aber ich sagte nichts, sah ihn nur flehend an.
Aber er sah es nicht. Ich bin ihm mit meinen Augen gefolgt, aber mein
Körper blieb. Ich habe ihn in Gedanken angesprochen, aber meine Lippen
blieben verschlossen. Ich habe innerlich geweint, aber meine Augen
blieben trocken. Ich habe ihm zugerufen, er möge sich doch zu mir
setzten, aber ich brachte keinen Ton über meine Lippen. Es war mir, als
sei ein sehr geliebter Mensch gestorben. ‚Er ist nicht tot!' sagte ich
zu mir. ‚Sprich ihn an!' riet ich mir. Aber ich konnte nicht. Ich
starrte nach draußen, stumm und traurig. Und ich rief nach ihm. Rief!
Aber meine Gedanken ereichten ihn nicht.
Ich habe mich dann am Nachmittag in ein moralisches Tief
gestürzt. Habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich dem ersten mir
Vertrauten die kalte Schulter gezeigt hatte. Und den ganzen tag fiel
nicht einmal das Wort "Tulpenblatt", - wenn ich mit mir
sprach, dann nur mit Kes. Kes, die mir so weh getan hatte, weil sie im
falschen Moment geschwiegen hatte. Ich stand auf Kriegsfuss mit mir
selbst und das ist schlimm. Wenn ich Nachbarn, Lehrer, Mitschüler oder
sonstige Mitmenschen verachte, oder mich über sie ärgere, dann ist das
nicht so schlimm, wie Streit mit mir selber. Ich konnte nicht mal in den
Spiegel sehen ohne daran zu denken, was mein Schweigen im falschen
Moment angerichtet hatte.
Am nächsten Morgen setzte ich mich in den Bus, mit der Hoffnung, er
möge wieder kommen. Er kam. Aber in seinen Augen sah ich nur die
Ablehnung meiner Person. Und das tat mir so weh, dass ich dachte, mir
würde schlecht werden. Und die ganze Zeit in der Schule , dachte ich an
ihn. Ich war nicht verliebt in ihn. Es ging mir nur nicht aus dem Kopf,
dass ich einen Menschen hätte kennen lernen können, der anders war als
die anderen. Der mir ähnlicher war, als ich es je gedacht hatte, dass
es jemand sein konnte.
Als er dann auf dem Heimweg wieder in den Bus stieg,
sprach ich ihn an.
"Willst du dich nicht neben mich setzen?", fragte ich leise.
"Danke", sagte er und ich erkannte die Farbe seiner Augen. Es
war ein helles fast wässriges Grün, vermischt mit einem hauch Braun.
Grün und Braun- wie Weinreben. Und sie leuchteten. Ich liebe es
Menschen zu beobachten. Ich kann Stunden auf ein und dieselbe Person
starren.
Der setzte sich neben mich.
"Ich heiße Kes", sagte ich leise. Er hatte mich nicht
gehört!
Ich war enttäuscht. Wenn ich schon den Mut aufbrachte, den Mund zu
öffnen, dann konnte er mich ruhig hören. Ich war so enttäuscht , dass
ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, ihn nicht mehr anzusprechen,
sondern mit dem Gedanken zu leben, dass es einen Menschen gegeben hat,
der mir ähnlich gewesen war, den ich aber nicht kennen gelernt hatte. Da
erinnerte ich mich aber an das schlechte Gefühl des letzten Tages und
so wiederholte ich.
"Ich heiße Kes".
"Gut", sagte er.
"Und du?", fragte ich zögernd.
"Peter", sagte er.
"Schöner Name", sagte ich. Nur kein Schweigen aufkommen
lassen.
"Ich mag ihn nicht sonderlich.", sagte Peter. Ich wusste nicht
was erwidern.
"Hast du dir schon mal überlegt, wie es wäre, ich zu sein?",
fragte er.
"Nein", sagte ich und lächelte. "Aber es wäre bestimmt
interessant. Weil ich die Welt ganz anders sehe als du. Wenn ich mich
sehe, dann sehe ich ein vertrautes Gesicht. Du siehst aber im gleichen
Gesicht eine Fremde."
"Ja", sagte er und lächelte. Das Glück auf Erden für mich.
"Du bist anders", bemerkte er. "anders als die
anderen."
"Du auch." sagte ich. Mein Gesicht blieb wie das einer Maske.
"Du auch." wiederholte ich.
"Ja", sagte er, " ich auch. Willst du mit mir
reden?"
Ich nickte. Ich konnte nicht reden. Meine Kehle war wie zugeschnürt.
"Wo?", fragte Peter.
"Weinberge", stieß ich hervor. Er nickte.
Ich bin glücklich. Vollkommen glücklich. Ich lächele
vor Glück und es ist ein Gleichgewicht in mir. Ein vollkommenes
Gleichgewicht. Ich habe das Gefühl, niemand kann das Glück stören.
Und ich warte auf ihn. In mir ist das Wissen. Er wird kommen. Er und ich
gehören zusammen. Wir sind anders.
Kathrin Schäfer
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Brand im Schnee
In einem Holzhaus am Waldrand lebte eine Frau die früh
ihren Mann verlor. Dieser ließ ihr zwei Jungen zurück, einen von zwei
und einen von fünf Jahren.
Es war wieder einer, dieser gemütlichen Winterabende, an dem sie alle
zusammen auf dem Sofa vorm Kamin saßen und warmen Kakao tranken.
Natürlich gab es auch reichlich gebackene Plätzchen dazu und Mama
erzählte von Papa. Diese Abende liebten die Jungen über alles.
Als sie am nächsten Morgen erwachten, war der Frühstückstisch schon
gedeckt, denn Mama stand immer früh auf. Nach dem Frühstück
erzählt Mama, dass sie in die Stadt zum einkaufen müsste.
Nun meinte der ältere von beiden Söhnen, er wäre alt genug um allein
dazubleiben und überzeugte die Mutter schließlich davon.
So fuhr sie mit dem jüngeren Bruder in die Stadt. Der Ältere ging
derweil raus in den Schnee und tobte umher. Es war die ganze Nacht
Schnee gefallen, so konnte man förmlich darin schwimmen.
Bald wurde es ihm kalt und er ging wieder ins Haus.
Weil es ihm so kalt war, zündete er ein Streichholz an.
Eigentlich wollte er es in den Kamin werfen, doch es fiel auf das
daneben liegende Altpapier, welches sofort Feuer fing. Schnell eilte er
in die Küche und holte ein Glas Wasser. Doch das Feuer hatte sich schon
ausgebreitet. Also war es sinnlos die Flammen mit einem Glas Wasser zu
löschen.
Auch mit einem Eimer voll Wasser konnte er das Feuer nicht bekämpfen.
Aus Panik rannte er aus dem Haus. Nur den Fußball, den er von seinem
Vater an seinem dritten Geburtstag bekam, hatte er mitgenommen.
Geschockt und bloß in Pulli und Latzhosen, stand er draußen in der
bitteren Kälte. Ziellos rannte er immer und tiefer in den Wald hinein.
Irgendwann ging ihm die Puste aus. Er legte den Ball in den Schnee und
setzte sich darauf. Um ihn herum brach schon die Nacht hinein. Viele
Gedanken schwirrten durch seinen Kopf:
"Was ist mit Mama und Sebastian, wenn sie heim kommen?
Kann ich mich nach so einem Unglück überhaupt noch nach Hause trauen?
Und wenn ja, finde ich überhaupt noch nach Haus oder erfriere
ich?" Er wollte weinen, aber das konnte er nicht mehr, er war starr
gefroren.
Vera Strohmeier
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Der Wald der Trolle
Vor langer Zeit gab es einen exotischen, prachtvollen
und fruchtbaren Wald. Er hieß in der Sprache seiner Bewohner "Mora",
was soviel heißt wie "Leben". Die Bezeichnung war mehr als
treffend. Denn mehr Leben als man sich vorstellen kann gab es dort eine
Menge.
Die Pflanzen unterhielten sich den ganzen Tag, Insekten, vor allem die
Ameisen hoben die Kleinfrüchte auf und die Trolle lebten in Harmonie.
Aber hinter dem Berg gab es ein Totenreich. Jeder der sich dorthin
wagte, wurde nie mehr gesehen.
Am Abend eines schönen Tages war es wieder soweit: Die Trolle
bereiteten sich auf ihren Tanz vor. Sie müssen diesen Tanz jeden Abend
veranstalten, damit der Wald so bleibt wie er ist. Die Vorbereitungen
waren sehr aufwändig. Denn sollte bei dem Tanz etwas schief gehen,
würde der Wald ausgerottet werden und alles Leben daraus verschwinden.
Da die Trolle jeden Abend tanzten und vorher übten, war man allgemein
sicher, dass sie den Tanz beherrschten und niemand einen falschen
Schritt machen würde.
Am Abend selbst geschah Unerklärliches: Eine dunkle Wolke zog über den
hellblauen Nachhimmel. Es begann zu blitzen. Ohne dass ein Donner
folgte. Ein Blitz traf genau das Grab des Trollgottes LORITHAS.
Am nächsten Tag, gegen Mittag, spürten die Trolle eine Art Erdbeben:
sie traten aus ihren Nektarhütten um zu sehen, was vorging. Eine Stimme
rief: "Das ist euer Ende!" Da den ganzen Nachmittag über
nichts Sonderbares oder Schreckliches geschah, beruhigte man sich
wieder.
Erst gegen Abend bildete sich schwarzer Nebel um den Wald, der über
Nacht so dicht wurde, dass man am nächsten Morgen nicht einmal die
Sonne sehen konnte. Am übernächsten Tag sahen sie ihre Hände nicht
mehr vor Augen. Die Trolle fassten den Entschluss auszuwandern. Aber in
dem schwarz vernebelten Wald verirrten sie sich.
Die Pflanzen erstickten, die Bäume, auch die gesunden, wurden morsch,
die Insekten und alle anderen Tiere starben. Die Trolle hatten nichts
mehr zu essen und starben. Niemand konnte sich erklären, wie das
geschah und der Wald blieb bis heute traurig schwarz.
Akin schrieb diesen Text zu einem Bild in der Mannheimer Kunsthalle.
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Der mystische Wald
Es gab Zeiten da rechneten die Menschen noch nicht die
Tage des Jahres aus und zählten auch nicht die Stunden, da lebten die
Menschen in Harmonie mit der Natur. Speziell mit den Bäumen hatten sie
ein enges Verhältnis. Sie pflegten die Bäume und diese gaben ihnen
reichliche Ernten.
Doch die Zeit verging und nichts blieb wie es war. Die
Menschen lernten immer mehr dazu. Sie vermehrten sich, was zur Folge
hatte, dass sie mehr Platz brauchten. Sie rodeten die Wälder um Platz
und Material für Häuser zu bekommen. Es kam die Zeit, da hatten sie
verlernt mit den Pflanzen zu sprechen. Sie wurden immer egoistischer,
nahmen und nahmen und vergaßen zu geben.
Das dauerte viele Jahre und der Bestand der Bäume wurde
immer geringer. Da fingen die Bäume an sich zu wehren, weil sie Angst
hatten auszusterben. Das war kein Leben: - in großen Kolonien, ohne
Raum um große, kräftige Wurzeln zu schlagen und zu wachsen.
Die Früchte zum Fortpflanzen wurden auch alle geklaut.
Das Einzige, was ihnen übrig blieb, war der Verteidigungsmodus!
Sie gaben keine Ernte mehr und ließen sich nicht mehr fällen, sie
taten es den Gummibäumen gleich und nur unter höchster Anstrengung
gelang es manchen Menschen.
Doch die Menschen ließen sich das nicht länger
gefallen. Sie gaben den Bäumen eine Frist und drohten, sie danach alle
niederzubrennen. Und so geschah es: Sie zündeten alle Wälder an und
eine dunkle Rauchwolke legte sich wie Samt um die Welt. Kein Sonnenlicht
konnte mehr durchdringen. Und die Stimmung der Lebewesen auf der Welt
wurde triste und öde.
Nur eine Truppe Menschen gab nicht auf, kümmerte sich um die Pflanzen
und hielten sich und die Pflanzen so gut es ging am Leben: "Green
Peace". Und die Menschen gingen ein, es gab kein Ziel, keine
Lebensaufgabe mehr, sie wollten nicht mehr leben!
Nach mehreren Jahren gab es nur noch die Menschen von "Green Peace"
und die von ihnen gepflegten Pflanzen, der Nebel aus Rauch wurde immer
weniger und dann kam der Tag, der Tage an dem die Sonne wieder strahlte
und das Leben wieder so anfing wie am Anfang in Kooperation mit den
Bäumen.
Dieser Text ist vermutlich von Elena; ich habe ihn ein
wenig geglättet. (C.S.)
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Wiesengeschichten
Hallo, ich bin Berta, eine kleine Biene. Ich möchte
euch mal eine kleine, aber spannende Geschichte erzählen. Eines
schönen Tages im Sommer traf ich mich mit meiner Freunden: Silli, der
Schnecke, Hans, der Heuschrecke, Amanda, der Amsel, Günter, der Grille
und Mario, dem Marienkäfer. Wir wollten etwas spielen. Aber wir konnten
uns nicht einigen- Silli sagte: "Warum spielen wir immer fangen? Da
verliere ich jedes Mal!" Darauf erwiderte Mario: "Ja, das
Fangen finde ich auch doof! Wir könnten doch auch mal "Ich sehe
was, was du nicht siehst" spielen!" "Nein, das ist blöd
- wegen meiner Brille sehe ich nicht so gut, das ist unfair!"
antwortete Hans- Auf einmal kam Amanda die beste Idee: "Wir können
doch Verstecken spielen!" Alle waren begeistert. - Mich
eingeschlossen. "Ich will zählen!" schrie Günter sofort .
Alle waren einverstanden. "O.K. es kann los gehen!" , rief
Silli, "Du musst bis 30 zählen, sonst schaffe ich es nicht!",
sagte Mario noch schnell- Und schon ging's los. Ich war sicher, ich
hatte das beste Versteck, es war in der großen Tulpe. Bei dem leckeren
Blütenstaub. Ich war froh. Dass ich ihn essen durfte, weil ich ihn
sonst zum Wabenhaus bringen musste.
Da - oh nein - Günter hat mich gefunden! "Das war ja nicht schwer,
dich zu finden!", sagte er, "Aber Hans habe ich zuerst
gefunden!" Nach 8 Runden musste ich nach Hause und sagte: "Ich
muss nach Hause. Mama hat gesagt, ich muss noch lernen für die
Schule!" Da fing Amanda an zu betteln: "Bitte, bitte bleib
hier, es macht gerade so viel Spaß!" "O.K., aber nur noch
einmal!", antwortete ich. "Gut, gut, gut.", sagte sie
hektisch- Mario fing an zu zahlen und ich ging schnell hinter einen
dicken Grashalm. Nach einer Weile fand mich Mario, er sagte: "Ich
habe jetzt alle gefunden außer Hans!" Alle halfen mit ihn zu
suchen, aber er war nicht aufzufinden. Wir begannen zu rufen:
"Hans, wo bist duuuuuuuuuuu????????" Nach ungefähr 20 Minuten
Suchaktion hörte ich ein leises Winseln. Ich schrie sofort: "Seit
doch alle mal bitte still!" Jetzt hörten es alle. Ich rannt los,
so schnell ich nur konnte- alle rannten mir hinterher, immer der Stimme
hinterher. Und da, auf einmal sah ich Hans auf dem Boden liegen. Sein
rechtes, langes Hinterbein hatte sich ein einem kleinen Distelbusch
verfangen. Vorsichtig häderte ich Hans' Bein aus den Disteln heraus.
Hans jammerte leise: "Aua, aua, das tut weh!" Ich kam langsam
immer besser an den Fuß von Hans dran und - zack - auf einmal war sein
Fuß wieder frei. Hans wollte aufstehen. Doch Amanda sagte gleich:
"Halt, halt! Es kommt gar nicht infrage, dass du läufst, ich trage
dich nach hause!"
Wir liefen alle mit und hielten Hans fest, damit er nicht runterfiel.
Hans musste zum Glück nur ein paar Tage im Bett liegen. Trotzdem
besuchten wir ich jeden Tag und jeder brachte ihm eine Kleinigkeit mit:
Mario ein Kartenspiel, Günter ein Buch, Silli einen Blumenstrauß,
Amanda ein Kreuzworträtselheft und von mir bekam er drei Schachteln von
seinen Lieblingsbonbons.
Von da an spielten wir nur noch im haus Verstecken, auch wenn das
manchen Müttern nicht recht war.
Dadurch bestätigt sich die Redewendung: ‚Man soll aufhören, wenn's
am schönsten ist!'
So, das war meine kleine, spannende Geschichte.
Katharina schrieb diese Geschichte zu einem Bild in der
Mannheimer Kunsthalle.
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Die grüne Treppe
"Schon wieder Alarm! Das hört ja gar nicht mehr
auf..."
Nun sehe ich auf den Tag genau zwei Jahre schon die Sonne nicht mehr.
Wir sind im Krieg und ich in einem U-Boot der Armee.
Ich hasse dieses U-Boot, alles scheint so grünlich.
Jedes Mal, wenn durch den Alarm zur Bereitschaft gerufen
wird, laufe ich diese ewig lange Treppe hinunter mit nur diesem einen
kleinen Licht, das sich an der Wand und auf den letzten Stufen spiegelt.
Jedes Mal, wenn ich diese Treppe hinunterlaufen muss, sehe ich dieses
kleine, mir Hoffnung spendende Licht und hoffe, dass dies nur ein
Fehlalarm war, und ich eines Tages hier heil heraus komme, die Sonne in
meinem Gesicht spüre, und der Wind mich umbläst.
Diesen Text hat Kirstin als ersten in der Mannheimer
Kunsthalle verfasst.
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Verschollener Übergang
Ein Haus, ein einziges kleines Bauernhaus. Es erscheint nur um
Mitternacht und bildet die Grenze des Jenseits und des Diesseits.
Wenn man von diesem Haus Richtung Norden sieht, sieht man einen
leuchtenden Vorhang; er umhüllt das Jenseits, das seit Tausenden von
Jahren schon die Seelen der verstorbenen Tiere, Pflanzen und Menschen
beherbergt. Es ist ein prächtiges Land, wo alles gut gedeiht und alle
in Frieden leben. Es gibt keine Zerstörung und keine Verwüstung.
Wenn man sich jedoch nach Süden dreht, spürt man einen eisigen Wind,
trotz der hell und weit scheinenden Lichter der Dörfer und Städte,
welche die Menschen im Diesseits erbaut haben. Im Diesseits ist der
Boden zerstört, die Luft verpestet und das Wasser verseucht. Nur noch
an wenigen Orten, ist ein unberührtes Stückchen Land, welches nicht
von zerstörerischen Maschinen überwalzt oder gar schon von Menschen
berührt wurde.
Auch das Diesseits war einmal ein wunderschönes Land, denn die Wächter
am Übergang vom Diesseits zum Jenseits, mächtige Engel mit schwarzen
Flügeln, wachen über diese beiden Welten mit behütendem Auge.
Doch sie verlieren langsam ihre Kraft, denn die Menschen glauben nicht
mehr an Engel oder andere magische Wesen. Und so stirbt jedes Mal, wenn
ein Mensch den Glauben verliert, eines dieser von den Menschen so
genannten "Fabelwesen", auch die Wächter des Übergangs
verlieren weiter ihre Kräfte und eines Tages wird dieser Übergang
völlig verschwunden sein und die Seelen der Verstorbenen werden als
Geister in ihrer Welt, dem Diesseits, herumirren und keine Erlösung
finden, da das Tor dann fest verschlossen sein wird.
Diesen Text hat Kirstin in der Mannheimer Kunsthalle als zweiten
verfasst.
Kirstin GONZALES Jan. 2005
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