Einen ganzen Morgen lang präsentierte Stefan Gemmel,
"Autor des Monats in Rheinland-Pfalz" (Mai 2006) und letzte
Woche noch Gast im SWF, seinen Zuhörern aus den 5. Klassen der
Orientierungsstufe der Hauptschule und der Gemeinsamen
Orientierungsstufe Realschule / Gymnasium aktuelle Kinder- und
Jugendliteratur.
Der 1970 geborene Stefan Gemmel lebt und arbeitet in Lehmen (Mosel), in
der Nähe von Koblenz. Mit 20 Veröffentlichungen in 15 Sprachen ist
Stefan Gemmel der meistübersetzte Schriftsteller in Rheinland-Pfalz.
Er schreibt für fünf Verlage zu den unterschiedlichsten Themen: Von
seiner witzigen Buchreihe "Wuff", die nur den Spaß am Lesen
vermitteln möchte, über ein Jugendbuch zu sexuellem Missbrauch bis zum
Kinderbuch zum Thema Tod und den Bilderbüchern, in denen er
"Angst" / "Behinderung" und "Armut bei
uns" thematisiert.
Doch vor allem ist Stefan Gemmel durch seine ungewöhnlichen
literarischen Projekte bekannt geworden. Mit seinem jugendlichen
Publikum führt er bei seinen Lesungen spontanes Theater durch, lädt zu
Sprachexperimenten ein und vermittelt humorvoll Wissenswertes rund ums
Schreiben und Lesen. Gerne lässt er die jungen Zuhörer in
Rollenspielen das Gehörte hautnah nacherleben - so auch bei seinem
Gastspiel in Bad Bergzabern.
Nach einer Lesung aus seinem 2004 erschienen Buch "Rolfs
Geheimnisse" , in dem es um einen Jugendlichen geht, der in eine
Außenseiterposition gerät, weil er einen schwerbehinderten Bruder hat,
improvisierte er eine Stegreifszene zum Thema "Außenseiten".
Hautnah konten die Schülerinnen und Schüler erleben, wie eine Gruppe
jemanden zum Außenseiter stempeln kann und wie dieser sich fühlt.
Zu Beginn seiner Lesung gewährte Gemmel seinen Zuhörern spannende
Einblicke in das Entstehen eines Buches. Seinen Büchern liegt ein
sorgfältiger Schreibplan zugrunde. Welche Vorarbeiten sind nötig, um
ein Jugendbuch zu schreiben? Hat jedes Jugendbuch eine Hauptperson und
einen Gegenspieler? Was ist ein sogenannter Springer? Die Antworten auf
solche Fragen blieb Gemmel seinen Zuhörern nicht schuldig.
Nach der Lesung durften sich die begeisterten Schülerinnen und Schüler
bei dem Autor noch Autogrammkarten abholen. Dabei belagerten sie den
Autor förmlich und deckten ihn mit Fragen ein. Noch am gleichen Abend
traf per e-mail die persönliche Bilanz des Besuches in Bad Bergzabern
ein: "Muss gleich los. Daher nur: Liebe Grüße von hier und alles
Gute. Es war einfach super in Ihrer Schule. Stefan Gemmel."
bö 12/2006