11. Regional-Tagung der Nökosch-Schulen
(Veranstaltungsort: Gymnasium Bad Bergzabern, 06.10.04)
Bericht
von Martin Rothe (Regionaler Fachberater für Nachhaltigkeitserziehung in
Rheinland-Pfalz):
Gymnasium
Bad Bergzabern Netzwerkschule
Am 6.10.2004 trafen sich Schulen der Region Südpfalz zu
ihrem 11. Erfahrungsaustausch im Gymnasium Bad Bergzabern. Nach der Begrüßung
durch Schulleiter OStD Lillig kam der zuständige Umweltbeauftragte Harald Böhm
sofort zur Sache. Unglaublich, was die Schule in den vergangenen 4
Jahren, seit sie im Netzwerk Mitglied ist, im Bereich Energiesparen
angestoßen hat. Sie ist aktuell innerhalb des Netzwerks neben der Grundschule
Esthal absolut führend in diesem Bereich aktiv.
Als Stichworte seien genannt: Fotovoltaikanlage,
Energiemanagement, Rapsölprojekt
Besonders interessant an der Solaranlage: Die Datenerfassung, - übertragung,
- auswertung und -präsentation per Mail und Internet.
Besonders erfreulich: Sämtliche Aktivitäten sind vorbildlich
und ausführlich mit Hintergrundinfos etc. auf der Webseite
der Schule dargestellt und stehen damit allen Schulen zur Verfügung.
Die genannten Punkt gaben auch die Gliederung für diesen
Fortbildungstag in Bad Bergzabern.
Angeschoben wurden die Aktivitäten v.a. von zwei Personen:


Jürgen Monnerjahn, der mittlerweile in der Schulleitung des Eduard Spranger Gymnasiums in Landau tätig ist und Harald Böhm, der sämtliche Maßnahmen im Bereiche "Energie" koordiniert und durch den Tag führte.
Hier das Wichtigste in Kürze. Details sind alle über die
Webseite abrufbar: http://www.schulebza.de/gymnasium/projekt/energie.htm
Profiliert
als "Energiesparschule" hatte sich das Bad Bergzaberner Gymnasium vor
Jahren als "die Schule mit der größten Solaranlage". Das ist
inzwischen Geschichte. Andere zogen nach, v.a. nachdem sich die finanziellen
Fördermöglichkeiten durch das Stromeinspeisegesetz herumgesprochen hatten . Die
Entstehungsgeschichte, die detailliert auf der Webseite dokumentiert ist, zeugt
aber von einem Elan und Pioniergeist spezielle im Energiesektor, der einmalig
im Netzwerk ist.
So hatte man bei der Beantragung des ersten Segmentes durch
das Land gerade mal 2 Monate, um das zugesagte Geld auszugeben. Schnell wurde
ein Förderverein gegründet
(Förderverein
Regenerative Energien Gymnasium Bad Bergzabern e.V.), um die
schnellere Verwaltung der Fördergelder zu bewerkstelligen. Viele Förderer wie
Banken oder Unternehmen konnten gewonnen werden - Daimler Chrysler in Wörth
z.B. spendete die PV-Großanzeige - und auch der Schulträger (Kreis Südliche
Weinstraße) zog mit und genehmigte die Nutzung der Dachfläche, so dass
gemeinsam mit Schülern der Schule in drei Ausbauphasen insgesamt nunmehr 7,4
kWp ! installiert wurden - nach wie vor eine enorme Dimension für eine
rein schulische Anlage.
Heute liefert die Photovoltaikanlage für das öffentliche Netz nicht nur umweltschonenden Strom, sondern der Schulträger stellt unter Einbeziehung des Fördervereins die Einnahmen (ca. 4000.- DM pro Jahr) dem Gymnasium wieder zur Verfügung. Die Anlage dient den Schülern und Lehrern als praxisgerechtes Lernobjekt und die computer- und softwareunterstützte Datenauswertung wird dem interessierten Fachunterricht, AGs und „lernhungrigen“ Schülern angeboten.
Über die Internet- Adresse http://schulebza.dyndns.org/pv/
kann heute jedermann/frau live den Leistungsgang der Anlage live im Netz
verfolgen!! 
Die Datenauswertung der
Photovoltaikanlage erfolgt über eine SMA-Powerline-Kommunikation. Hierbei
werden die Daten der beiden Wechselrichter SMA 2500 (3,4 kWp-Anlage) und SMA
2000 (1,4 kWp-Anlage) im 4.Stock des Gebäudes durch ein Netzleitungsmodem auf
das 230V-Netz aufmoduliert und stehen damit "theoretisch" an jeder
Netzsteckdose des Gymnasiums zur Verfügung. Im Fachraum der Physik (im Kellergeschoss)
werden sie durch einen Daten-Logger (SMA-Sunny Boy Control light) an der
Steckdose abgegriffen, aufbereitet und über einen Computerbildschirm mit der
Software (Sunny Data Control) visualisiert. Tatsächlich gab es aber Probleme
bei der Nutzung des Stromnetzes zur Datenübertragung, die aber mittlerweile im
Griff sind.
Interessant ist der clevere
Einsatz von Software, die eine automatische Versendung der Daten per Mail
ermöglicht. Das Programm erkennt welche der Solardatendateien vom
Erfassungssystem aktualisiert wurden und sendet genau diese an voreingestellte
Mail- Adressen. So kann z.B. Harald Böhm vom eigenen PC zu Hause aus bequem die
Anlage über lange Zeiträume überwachen.
Webcam
Weitere Überwachungsmöglichkeit
bietet eine eigene Webcam, die man auf dem Dach der Schule neben der
Wetterstation installiert hat und mit der man über das Netzt jederzeit den
optischen Zustand der PV-Anlage , etwa nach einem Sturm, checken kann. In
diesem Zusammenhang ist die Schule mit ihrer PV-Anlage regelmäßig im Abendprogramm
des Fernsehen (SWR3) vertreten: Einmal im Monat ist im Hintergrund zu den
regionalen TV-Wetternachrichten ein Bild der Anlage mit der Aufschrift
Gymnasium Bad Bergzabern zu sehen .
Energiemanagement
Netzwerkschulen
haben sich dem Bildungsauftrag "Bildung für Nachhaltigkeit"
besonders verschrieben, d.h. die Schülerinnen und Schüler sollten mit den
Projekten auch direkt erreicht werden.
Auch hier ist die Liste der
Aktivitäten und Erfolge lang:
Zentrale Bedeutung hat seit dem
Jahr 2000 ein alljährlicher "Wettbewerb zum verantwortlichen Umgang mit
Energie", in den alle Klassen einbezogen sind. Bewertet werden u.a. der
situationsangemessene Umgang mit
Klassen sammeln Punkt und werden
nach Ablauf der Wettbewerbsphase prämiert.
Erwähnt werden sollte,
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dass Lehrer, Hausmeister und kontrollierende Schüler (Energiedetektive)
sich im Vorfeld Energieschulungen des Kreises SÜW unterzogen
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dass Schüler der MSS, die damals in der Mittelstufe zu den
Wettbewerbsiegern zählten, heute verantwortlich die Durchführung der
Wettbewerbe managen. Weitere Details sind nachzulesen unter: http://home.t-online.de/home/boehm-h/aussch.htm
Schülerbeteiligung gab es aber
auch in vielen anderen Bereichen:
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20.02.2003
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Mitgestaltung des 8. Rh.-Pf. Energiesymposiums durch die AG „Energie und
Umwelt“ (Haus des Gastes, Bad Bergzabern).
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20./21.06.2003
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Aufbau und Betreuung des Messestandes „Energiemanagement/Regenerative
Energien Gymnasium Bad Bergzabern“ am „Tag der offenen Solaranlage“ (Schloss
BZA)
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07.-11.07.2003
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Solarkocher
unterstützte die Mittagessenszubereitung im Pausenhof der Schule
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18.09/02.10.2003
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Schüler der AG“Energie und Umwelt“ und der Förderverein begleiten den
Solarstrom-Anlagenaufbau auf dem Weingut Hitziger (18 kWp)
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04.06 – 06.06.2004
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Aufbau/Durchführung/Abbau des Schul-Messestandes für „Tag der
erneuerbaren Energien“ (Verbandsgemeinde BZA, Schlosshalle)
Erwähnt seien weiter:
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Präsentation
regenerativer Energie auf dem Weinstraßentag
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die technische Überholung von Beleuchtungsanlagen der Schule
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der Einkauf von Naturstrom
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die Veröffentlichung des Energiesparkonzeptes in einem offiziellen
Geo-Lehrbuch
....oder
das "Caparol-Projekt"
- ein Lehrbeispiel, für die gekonnte Verknüpfung von
Interessen der Schule, des Kreises als Schulträger und eines Investors:
Das
Ausgangsproblem: In den Unterrichtsräumen für Biologie und Physik
frieren im Winter Schüler wie Lehrer, doch für die Dämmung fehlt dem Schulträger,
dem Kreis, das Geld.
Die Lösung: Eine Firma sponsert eine bessere Wärmedämmung des Gebäudes, gleichzeitig untersuchen Schüler mit wissenschaftlichen Methoden den erhofften Energiespareffekt. Am Gymnasium der kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern haben Wirtschaft und Schule zueinander gefunden. Statt schätzungsweise 15.000 Euro für eine Wärmeisolierung in vergleichbarem Umfang, zahlt der Kreis lediglich knapp 6.000 Euro für die Arbeitskosten. Das Material liefern die Deutschen Amphibolin-Werke (DAW) - ein international operierendes Unternehmen, das unter anderem Farben und Dämmprodukte herstellt - umsonst bis vors Haus. Überdies hat die DAW einen eigenen Handwerker nach Bad Bergzabern geschickt. DAW-Fachleute unterstützen außerdem eine Gruppe von Schülern beim Erstellen einer ,,Jugend forscht" – Arbeit.
Rapsölprojekt
Das
"jüngste Kind" des Fördervereins "Erneuerbare Energie“ bzw. der
Schule ist das Rapsölprojekt. Auch dabei wagt sich die Schule in
umweltpädagogisches Neuland.
Während biogene Treibstoffe als umweltfreundliche
Alternative zu Benzin und Diesel erst allmählich ins der Bewusstsein der Bürger
gelangen, verfügt die Schule längst über einen umgerüsteten
Kleinbus ...
.....und eine komplette Ölgewinnungsanlage mit Mühle
und Filtersystem.
Gebaut haben die vollautomatische (!) Anlage mit viel
Know-How und Improvisationskunst übrigens die
Hausmeister der Schule. "Ohne die" - so Böhm - "liefe
überhaupt nichts". Auch können sich für die Möglichkeiten der neuen
Technologie begeistern. Schüler
helfen beim Sieben und Beschicken der Anlage.

Im Anschluss stellt Harald Böhm den
Teilnehmern mit einem Mercedes-A-Klasse sein Privatfahrzeug, vor, das er
selbst auf Raps-Diesel-Betrieb umgerüstet hat. Um das Fahrzeug mit einem
Zweitanksystem, Zusatzheizung und elektronischem Mischsystem auszustatten,
musste es komplett "entkernt" werden, so Böhm beiläufig.
Ich nehme diese Bemerkung als kleinen Hinweis darauf,
dass wir es hier mit nicht nur mit einem
technisch
versierten Kollegen zu tun haben, sondern auch mit jemandem, der seine
beruflichen Ambitionen zu seinem persönlichen Anliegen gemacht hat - oder
umgekehrt.
Und eben so laufen die Umwelt-Aktivitäten an Schulen am besten, nämlich "mit langem Atem", wenn Kolleginnen und Kollegen den Nachhaltigkeitsgedanken zu ihrem eigenen Anliegen gemacht haben und ihn genauso selbstverständlich in ihren Berufsalltag integrieren.
Genau das haben die Erfahrungen im Netzwerk gezeigt und in Bergzabern wurde dieser Zusammenhang wieder einmal eindrucksvoll bestätigt.
Martin Rothe, Kandel den
14.10.04
http://nachhaltigkeit.bildung-rp.de/bad_bergzabern-2004.htm