Caparol-Wärmedämm-Projekt

Orginaltext: Zeitung “Rheinpfalz/Pfälzer Tageblatt“ vom 29.11.2002

 

Das Frieren im Physikunterricht hat bald ein Ende

BAD BERGZABERN: Sponsor testet neuartiges Dämmmaterial an Fassade des Gymnasiums – Auch Forschungsobjekt für Schüler

 

Das Problem: In den Unterrichtsräumen für Biologie und Physik frieren im Winter Schüler wie Lehrer, doch für die Dämmung fehlt dem Schulträger, dem Kreis, das Geld. Die Lösung: Eine Firma sponsert eine bessere Wärmedämmung des Gebäudes, gleichzeitig untersuchen Schüler mit wissenschaftlichen Methoden den erhofften Energiespareffekt. Am Gymnasium der kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern haben Wirtschaft und Schule zueinander gefunden.

 

Statt schätzungsweise 15.000 Euro für eine Wärmeisolierung in vergleichbarem Umfang, zahlt der Kreis  lediglich knapp 6.000 Euro für die Arbeitskosten. Das Material liefern die Deutschen Amphibolin-Werke (DAW) - ein international operierendes Unternehmen, das unter anderem Farben und Dämmprodukte herstellt - umsonst bis vors Haus. Überdies hat die DAW einen eigenen Handwerker nach Bad Bergzabern geschickt. DAW-Fachleute unterstützen außerdem eine Gruppe von Schülern beim Erstellen einer ,,Jugend forscht" - Arbeit.

Das Engagement der Firma ist nicht gänzlich ohne Eigennutz: die 120 Quadratmeter große Fassadenfläche am Nordflügel des Gymnasiums dient als Referenzfläche für ein neu entwickeltes Dämmmaterial aus biologisch abbaubarer Holzwolle. Das Produkt soll 2003 auf den Markt kommen. Dank der neun in die Fassade integrierten Sensoren kann die DAW auch Daten über die Effizienz der Dämmung erfassen. An der Auswertung arbeiten auch die ,,Jugend forscht" Teilnehmer mit:

Sie vergleichen die Messungen mit den Aufzeichnungen der Schul-Wetterstation. Auch in den regulären Unterricht binden Physiklehrer das Wärmedämm-Projekt ein

- in einer Klasse wurden beispielsweise Laboruntersuchungen gemacht.

Drahtzieher der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule ist Chemielehrer Jürgen Monnerjahn. Er stellte den Kontakt zur DAW her. Besonders beim Jugend forscht" - Wettbewerb knüpfe er immer wieder Kontakte zur freien Wirtschaft, so Monnerjahn im Gespräch mit der RHEINPFALZ. So sind in der Vergangenheit bereits mehrmals gemeinsame Projekte oder auch Werksführungen ermöglicht worden. ,,Alle Betriebe sind grundsätzlich daran interessiert, sich für Jugendliche zu engagieren", glaubt der Lehrer. ,,Sie wollen nur nicht ihr Geld in den Sand gesetzt sehen.'

Am Gymnasium findet jedes Jahr ein Wettbewerb zum Energiesparen statt; Schüler, Eltern und Lehrer engagieren sich im Verein für den sorgfältigen Umgang mit Energie. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Öko-Strom, Schüler lernen den Umgang mit moderner Technik in der Wetterstation. All diese Projekte werden natürlich dokumentiert präsentiert. Monnerjahn ist sich: Die Bestrebungen am Gymnasium finden Anerkennung.

Durch den Bau wird nun eine Wärmedämmung in vergleichbarem Umfang realisiert, wie sie die Schule bereits vor zwei Jahren beim Träger beantragt hat. Denn die Temperaturen in bestimmten Sälen blieben auch bei voll aufgedrehten Heizkörpern im Winter unter 20 Grad, nicht selten wurden dann während dem Unter­richt die Jacken und Mützen gar nicht erst ausgezogen. Doch der Kreis stell­te die Baumaßnahme zunächst zu­rück. Auch nachdem sich die DAW be­reit erklärt hatte, den Großteil zu fi­nanzieren, dauerte es bis der Schulträ­ger sein Okay gab. ,,Das Projekt stand auf der Kippe", erinnert sich Lehrer Monnerjahn.

Aber im Mai war endlich Baube­ginn. Zur Zeit verkleiden erst zwei Schichten von herkömmlichen Dämm­material - Polystvrol und Mineralwolle - die Nord- und Westfassade. Die oberste Schicht, das Holzwolle-Pro­dukt ,,Inthermo", wird erst hergestellt, deshalb herrscht momentan Bau­stopp. ,,Doch bald wird geliefert, am Mittwoch soll die Maßnahme abge­schlossen sein", so Monnerjahn. (nro)

 

 ( Harald Böhm, Förderverein, den 30.11.02)